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Mark Forster // Story

Mark Forster
Foto: Sven Sindt

Was Pop ausmacht

Mark Forster hat für die Musik ein geordnetes Leben aufgegeben. Gewagt? Nein: unabdingbar.

Von Michael Schock

Gefunden in

Der Start der Karriere von Mark Forster begann mit einem Ende, sogar einem ziemlich drastischen. Der 28 Jahre alte Berliner hatte schlicht keinen Bock mehr auf sein altes Leben. "Ich dachte, ich muss irgendwas Krasses machen. Ich habe zwar immer nebenbei musiziert, saß aber im Büro fest, habe mit einer Frau zusammengewohnt, es ging alles so seinen geregelten Weg", sagt er ruhig und mit einer hellen Stimme, die auf einer ganz anderen Frequenz zu liegen scheint als der Barlärm rechts von uns. "Ich habe meine Wohnung aufgegeben, alles in einem Mietcontainer gelagert und bin den Jakobsweg durch Spanien gelaufen, zwei Monate lang!"

Ein urbaner Medienmensch, mit Wollmütze, Sakko und 50er-Hipsterbrille: Man kann ihn sich kaum als Pilger vorstellen. "Klar, am Anfang war es schrecklich", gibt Forster zu, "aber letztlich war es die beste Zeit meines Lebens." Die Wahl des Abenteuers hatte sowieso mehr praktische als spirituelle Gründe, sagt er. "Ein Freund ist den Jakobsweg gelaufen und hat ihn mir empfohlen. Er ist schnell zu erreichen, und man braucht nicht viel Ausrüstung. Was es wirklich kostet und was eben keiner hat, ist Zeit. Das ist die größte Hürde daran. Und die habe ich mir genommen."

Aus dieser Erfahrung namens Entschleunigung wurde ein Karton. So heißt zumindest Mark Forsters Debütalbum. Ein bisschen unsexy, oder? Er lacht. "Ach, ich mag das Wort, seinen Klang, seine Kompaktheit, und es war das erste Lied, das ich für das Album geschrieben habe", sagt er. "Es geht inhaltlich mehr um etwas wie eine Kiste, in die ich eingesperrt wurde und aus der ich nicht mehr rauskam. Mit dem Lied wollte ich auch ein Mädchen zurückgewinnen." Er lehnt sich schüchtern zurück und schmunzelt. "Sie sagte, es sei ein sehr schöner Song - aber da war nichts zu machen. Immerhin: Ich habe dadurch meine musikalische Sprache gefunden. Das war viel wichtiger."

"Karton" steckt voller klarer Melodien, eine Mischung aus Pop und Rock, mal ein wenig retro, dann wieder druckvoll und darin sehr modern. Gerade spielte er hier im Club noch ein Showcase mit Band, was den Songs viel Volumen gibt, eine weitere, rockige Ebene. "Wir wollten uns nicht festlegen, auf Pop, Rock oder Elektro. Es ging ums Gefühl des jeweiligen Songs. Für âNur Du' haben wir teuer eine Menge Streicher aufgenommen und am Ende doch durch diverse Filter gejagt, sodass es schließlich fast synthetisch klingt. Eigentlich blöd, oder? Haben wir drauf gepfiffen, es hat eben zum Song gepasst." Mancher Beat erinnert an Lieder von Nena, doch auf diese Festellung reagiert Forster überrascht. "Findest du? Na ja, ich habe schon immer gerne deutsche Musik gehört. De Ärzte, Toten Hosen mit Zwölf, mit 17 dann Freundeskreis und auch die Beginner. Daher kommt vielleicht der Rhythmus in manchen Stücken." Den großen deutschen Radiopop, den "Karton" abfeiert, den gibt es kaum mehr. Trotzdem sieht Forster keine Ideenkrise populärer Musik, im Gegenteil. "Ich + Ich, Peter Fox, Clueso, es gibt im deutschen Raum tolle Sachen in jedem Genre. Wir nehmen deutsche Qualität einfach nicht so wahr wie andere."

Der obligatorische Coversong ist auch auf "Karton" vertreten, allerdings kommt er aus einem ganz anderen Genre: "Sie ist weg" von den Fantastischen Vier. "Jeder kennt dieses Lied, fast jeder kann es mitrappen, ohne den Text vielleicht je bewusst gelernt zu haben. Das macht doch Pop aus! Im Kern liegt einfach ein guter Song verborgen, eine starke Melodie. So etwas Universelles zu erschaffen ist doch großartig! Dafür halte ich meine Augen, meine Ohren und meinen Geist offen. Ich habe nichts zu verlieren. Höchstens Zeit."

Und wie man sich die nimmt, damit kennt sich Mark Forster schließlich aus.

"Karton" erscheint Anfang Juni

24.05.2012


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