Joan Armatrading // Story
Alles unter Kontrolle
Interview: Dagmar Leischow
kulturnews: Ms. Armatrading, warum haben Sie denn mit "Starlight" ein reines Jazzalbum aufgenommen?
Joan Armatrading: Normalerweise bringe ich auf meinen Platten die unterschiedlichsten Genres zusammen - von Pop bis zu Country. Bis ich irgendwann auf die Idee gekommen bin, eine Trilogie zu veröffentlichen. Auf jeder der drei CDs wollte ich mich einem bestimmten Stil widmen. Nach Blues und Rock steht jetzt halt Jazz auf dem Programm.
kulturnews: Weil Sie Ihre Nächte früher in Jazzclubs verbracht haben?
Armatrading: Oh Gott, nein! In meiner Jugend war ich sehr zurückhaltend, deswegen bin ich kaum ausgegangen. Am liebsten habe ich mich zu Hause mit meiner eigenen Musik beschäftigt.
kulturnews: Hat Sie trotzdem irgendein Jazzer beeinflusst?
Armatrading: Eigentlich nicht. Obwohl ich einige bewundere. Nie werde ich das großartige Ella-Fitzgerald-Konzert vergessen, das ich im legendären Londoner Club Ronnie Scott’s gesehen habe. Auch Dizzy Gillespie hat mich beeindruckt, als ich bei ihm im Vorprogramm auftreten durfte.
kulturnews: Wie haben Sie Jazz denn für sich entdeckt?
Armatrading: Ehrlich gesagt hatte ich kein Aha-Erlebnis. Es war einfach so, dass man dieser Musik gar nicht entkommen konnte, weil Jazzsongs durchaus im Radio gespielt wurden. Das ist allerdings lange her. Heute hat ja jeder Sender ein striktes Format und konzentriert sich auf eine einzige Richtung. Sehr schade.
kulturnews: Die Medienwelt hat sich generell verändert.
Armatrading: Da haben Sie Recht. Gerade über Castingshows wird kontrovers diskutiert. Ich muss aber zugeben, dass ich "X Factor" oder "Britain’s got Talent" gern gucke. Vor allem diese Leute, die sich freiwillig zum Idioten machen, amüsieren mich. Sie wissen zwar, wie unbegabt sie sind, dennoch wollen sie einmal im Leben ins Fernsehen kommen und genießen ihren Auftritt richtig.
kulturnews: Nicht jeder Kandidat ist so selbstkritisch.
Armatrading: Sicher sind einige restlos von sich überzeugt, obwohl sie unterirdisch singen. Vermutlich hoffen sie, als Star ihre persönlichen Probleme kompensieren zu können.
kulturnews: Haben Sie diesen Menschen Ihr Lied "Starlight" gewidmet?
Armatrading: Nicht nur. Ich denke, jeder sehnt sich danach, auf einem Gebiet zu glänzen. Das muss nicht zwingend etwas mit dem Showgeschäft zu tun haben.
kulturnews: Welche berufliche Alternative hätte es denn für Sie gegeben?
Armatrading: Keine ... Meine große Leidenschaft ist und bleibt Musik. In eine Castingshow wäre ich aber niemals gegangen. Wahrscheinlich hätten mich die Juroren eh nicht gewollt. Ich bin nämlich kein leicht formbarer Typ, der sich alles diktieren lässt. Mir ist es wichtig, die Kontrolle zu behalten. Darum schreibe, arrangiere und produziere ich meine Stücke nicht nur, ich spiele im Studio auch jedes Instrument selbst.
"Starlight" ist Ende Mai erschienen.
Tour
2. 6. Burglengenfeld
3. 6. Dortmund
4. 6. Wolfhagen
16. 6. Bad König
24.05.2012







