Die Zöllner // Story
Vom Macher zum Hörer
Interview: Ron Haller
kulturnews: Dirk, eineinhalb Jahrzehnte liegen zwischen zwei Zöllner-CDs. Ein riesiger Zeitraum - wie groß ist die musikalische Entwicklung?
Dirk Zöllner: Ich habe dazwischen ja fünf andere Platten gemacht und hatte so die Möglichkeit, mich als Texter und Komponist weiterzuentwickeln. "Uferlos" zeigt jetzt eine ganz neue Konstellation von Musikern - das macht eigentlich schon den ganzen Unterschied aus.
kulturnews: Es ist eine sehr reife Produktion ohne erkennbare Ecken und Kanten. Ging das trotzdem noch nach dem kollektiven Lustprinzip über die Bühne?
Zöllner: Absolut! Wir haben gejammt, drei Tage elektrisch in Mecklenburg-Vorpommern, drei Tage unplugged im Odenwald, und höchstens ein Drittel der Songs war schon vorher da. Also ist das Album das Ergebnis dieser Sessions. Klar, wir haben hier ein Filetstück rausgesucht, da noch mal gedubbt; aber es war keine hochanstrengende Studioproduktion.
kulturnews: Rückt das Album eher den politisch denkenden Menschen Dirk Zöllner in den Vordergrund oder die private Seite?
Zöllner: Für mich ist alles privat, auch die Politik. Als Songschreiber bin ich eher so etwas wie der lachende Betrachter. Ich gehöre auf keinen Fall zu den Leidenden.
kulturnews: Haben die Zöllner jetzt erst mal Priorität, oder laufen parallel wie üblich andere Projekte?
Zöllner: Ja, ein paar kleine Sachen mache ich nebenbei, aber ich bin so glücklich und stolz auf die Platte, und wir werden jetzt dafür kämpfen, dass wir auch mal im Radio gespielt werden. Ich habe bei "Uferlos" vieles aus der Hand gegeben und bin dadurch ein wenig vom Macher zum Zuhörer geworden. Schönes Gefühl, wenn man sich mal nicht um jedes Kabel selbst kümmern muss.
kulturnews: Du hast bereits deine Autobiografie geschrieben. Ist es dafür nicht noch ein bisschen zu früh?
Zöllner: Finde ich auch. Aber es gab da die Anfrage vom Verlag, und da fühlte ich mich so gebauchpinselt, dass ich das ohne Ghostwriter selbst durchgezogen habe. Ehrlich gesagt: Ich kam zum Schluss ganz schön ins Schwitzen.
kulturnews: Wie hat sich eigentlich in deinen Augen Berlin seit dem Mauerfall entwickelt?
Zöllner: Na, auf jeden Fall positiv. Berlin ist die einzige Stadt Deutschlands, die man nicht überblicken kann. Da ist ständig dieses Gefühl des Aufbruchs, davon zehrt die Kunst. Berlin ist die brodelnde Stadt, die kämpft - und sich immer wieder selbst gebiert.
"Uferlos" ist am 1. Juni erschienen.
Live
15. 6. Berlin
24.05.2012







