// Künstlerportal: Sebel

Sebel // Story

Sebel
Foto: Lukas Palik

Der Discodisser

Mit Sebel schickt sich mal wieder ein Ruhrpottoriginal an, bundesweit Karriere zu machen – sein Erfolgsgeheimis: poetischer Prollrock.

Interview: Franz X. A. Zipperer

Gefunden in

Es gibt Currywurst Schranke, das Pils wird ein wenig schneller weggeschluckt und dafür öfter nachbestellt. Ein Handschlag ist hier deutlich fester, und die Mäuler werden weiter aufgerissen. Zechenkinder sind eben ein wenig derber, ehrlicher und direkter - und Sebel ist so eins. Der Mann aus Wanne-Eickel frönt nicht nur dem Draufgängerrock, er lebt ihn. Seine handfesten Texte sind kein Kalkül. Er ist so.

"Zu Hause und im Kreis der Kumpels, da herrscht eben ein rauer Ton", erzählt Sebel, "wir sind halt ein wenig assig und prollig drauf. So sind dann auch meine Lieder. Ich schreibe gerade raus und singe, wie ich denke, und dann klingt es halt so." Da erklingen dann schon mal Lieder mit Titeln wie, "Wer soll das alles ficken!?" oder "Scheiss auf die Disco." Ziemlich dreiste Texte. Sebel lacht: "Dreist? Vielleicht - aber nie stumpf, immer voller Selbstironie und mit großen Augenzwinkern; denn so sind die Geschichten aus dem Pott." Sebel singt Refrains, den die Fans mitgrölen können, und auch die nachdenklichen Zeilen. Auf den ersten Blick ist Sebel der Pottprolet, auf den zweiten der Pottpoet.

Sebel schreibt schubweise, dann aber gleich ganze Berge von Liedern. "Bevor ich schreibe, muss etwas in meinem Leben etwas passiert sein", erklärt er, "eine Wende, ein Einschnitt. Dann muss ich hinsetzen, meist mit einem Monat Verzögerung, und schreibe mir das Erlebte von der Seele." So gab es ihn also wirklich, den besagten Discobesuch in Sebels Stammladen - "wo du jeden Samstag versuchst, ein Mädchen klar zu machen", plaudert Sebel aus dem Nähkästchen, "doch wie immer sind die hübschesten Frauen mit irgendwelchen Vollpfosten auf der Tanzfläche. Schließlich gehst du frühmorgens wieder alleine nach Hause und scheißt auf die Disco."

Doch Sebel jammert nicht rum. Er thematisiert seinen Hass genau so wie die Liebe, den dreckigen Rock’n’Roll ebenso wie puren Sex. Das kann in dieser Formvollendung eben nur ein Zechenkind. Und eins ist sicher: Das Discoerlebnis hat Sebel zwar abgeschreckt, aber nur bis zum nächsten Samstag. Dann wird er wieder auflaufen.

kulturnews präsentiert
13. 6. Oberhausen, Zentrum Altenberg
14. 6. Köln, Blue Shell
20. 6. München, Ampere
21. 6. Frankfurt, Das Bett
24. 6. Berlin, Comet Club
7. 9. Dresden, Ostpol


Die EP "Scheiss auf die Disco" ist seit Ende Mai im Handel.

24.05.2012

Weitere Storys


Zugabe

Werde Roadie beim Hurricane Festival!

style+

Der neue Style-Guide als PDF zum Durchblättern

kulturnews

Das Magazin als PDF zum Durchblättern

kulturnews // präsentiert



Glasperlenspiel

Zugabe

Tickets für Joe Cockers Konzert in Mönchengladbach zu gewinnen!