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Debbie Clarke // Story

Debbie Clarke
Foto: Vanessa Maas

Nach 15 Minuten Ruhm

Die walisische Newcomerin Debbie Clarke kann einen Traktor reparieren und Produzentenlegenden becircen. Das riecht nach großer Karriere.

Von Christiane Rebmann

Gefunden in

Debbie Clarke wuchs auf einem Bauernhof an der Grenze zwischen England und Wales auf. Schon mit neun wusste sie, wie man Landmaschinen wieder flottmacht und Lämmer auf die Welt bringt. Doch dann entdeckte ein Lehrer ihre außergewöhnliche Stimme. "Von da an habe ich an meinem Gesang gearbeitet", erzählt die brünette Musikerin. "Zuerst habe ich den Bäumen und den Schafen was vorgesungen - und dann klassischen Gesang studiert, zuletzt an der Royal Academy of Music in London."

Als Ausgleich zu Arienübungen und trockene Theorie trat sie abends als Folksängerin auf. Dabei wurde ein Radiosender auf sie aufmerksam und spielte ihre Songs. Das ermutigte Clarke, nach dem Examen die Klassikkarriere sausen zu lassen. "Ich hatte das Gefühl, ich brauchte etwas anderes", sagt sie - und stellte forsch eine Liste mit ihren Lieblingsproduzenten auf. Ganz oben thronte Tony Visconti, "wegen seiner Erfahrung mit David Bowie, T.Rex und den Strawbs." Clarke mailte ihm kurzerhand Songfragmente. "Ich dachte: Das ist eigentlich wahnsinnig, aber versuchen kann ich’s ja", erzählt sie. Nach 15 Minuten schon kam angeblich Viscontis Antwort: "Ich liebe deine Stimme. Wie sehen deine Pläne aus?"

Das Problem: Tony Visconti lebt in New York, Debbie (wieder) in Wales. Deshalb erarbeitete man gemeinsam per Mail und Skype Songs und Coverversionen - etwa die dramatische Fassung von Leonard Cohens Klassiker "Bird on the Wire", Bob Dylans "I pity the poor Immigrant" oder Del Amitris "Nothing ever happens". In den Räumen des legendären Londoner Good Earth Studios, in dem Visconti einst mit Bowie, Thin Lizzy oder U2 gearbeitet hatte, guckte sogar Dave Cousins vorbei, um bei der Neufassung seines Strawbs-Hits "Lay down" mitzusingen.

Die Musik auf Clarkes Debütalbum changiert zwischen Pop, keltischem Folk, Gospel und Klassik. "Meine Musik passt in keine Genre", bestätigt sie, "deshalb musste ich lange um einen Plattenvertrag kämpfen." Bernd Dopp, deutscher Europachef von Warner Music, ließ sich schließlich überzeugen. "Das bestärkt mich darin, nie aufzugeben", ruft sie routiniert ein Standardbekenntnis der Branche ab. "Ich habe gelernt, für meine Träume zu kämpfen."

Und wenn ihr das Musikbusiness zu stressig wird, kann sie immer noch mit dem Traktor über die walisische Krume brettern, zur Entspannung.

"Manhattanhenge" ist seit Mitte Mai im Handel.

24.05.2012


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