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Rumer
Foto: WMG

Mama, wo bist du?

Erfolg macht nicht immer unabhängig. Die britisch-pakistanische Popsängerin Rumer (32) sehnt sich sogar wieder nach Rundumbetreuung.

Interview: Dagmar Leischow

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kulturnews: Rumer, warum hast du für deine CD "Boys don't cry" relativ unbekannte Songs aus den 70ern aufgenommen, die im Original von Männern gesungen wurden?
Rumer: Ich habe mich vorher nie besonders zur Musik meiner männlichen Kollegen hingezogen gefühlt. Meine Idole waren eher Frauen: Judy Garland, Karen Carpenter, Joni Mitchell oder Dusty Springfield. Deren Lieder habe ich rauf und runter gehört - bis ich Paul Simons "Long long Day" gecovert habe. Ich fand meine Version schön, sie war wirklich anders als das Original. Das hat für mich den Ausschlag gegeben, mich intensiver mit den Stücken einiger Sänger zu befassen.

kulturnews: Konntest du dich denn mit jeder Nummer sofort identifizieren?
Rumer: Nein. Zu Randy Newmans "Marie" habe ich überhaupt keinen Zugang gefunden. Sätze wie "Ich bin schwach und faul, und ich habe dir so weh getan" sprechen mir einfach nicht aus dem Herzen. Darum musste ich mich schließlich gegen dieses Stück entscheiden.

kulturnews: Und wie schwer hast du dich mit Neil Youngs "A Man needs a Maid" getan?
Rumer: Höchstwahrscheinlich hat dieser Titel früher Feministinnen auf die Palme gebracht. Für mich ist er jedoch wie ein Seelenstriptease. Da gibt ein Mann ganz offen zu, dass er jemanden braucht, der sich um ihn kümmert. Er sehnt sich nach bedingungsloser Aufmerksamkeit, kann aber im Gegenzug nichts zurückgeben. Weder emotional noch sonstwie.

kulturnews: Ist das nicht total egoistisch?
Rumer: Hm ... weiß nicht. Auch in meinem Leben gibt es Momente, wo ich mir einfach bloß Unterstützung wünsche. Zum Beispiel wenn ich nach einer Tournee nach Hause komme. Ich bin total erschöpft, weil ich gefühlsmäßig auf der Bühne so viel gegeben habe. Am liebsten würde ich mich um nichts mehr kümmern. Doch mich erwartet ein leerer Kühlschrank, schmutzige Wäsche und stapelweise Post.

kulturnews: Warum engagierst du keinen persönlichen Assistenten?
Rumer: Ach, das wäre zu kompliziert. Der müsste ja in meiner Nähe wohnen und ständig auf Abruf bereitstehen. Ich glaube, Adele hat die Ideallösung gefunden: Sie ist wieder mit ihrer Mutter zusammengezogen. Wäre meine Mum nicht tot, dann würde ich das auch ernsthaft in Erwägung ziehen.

kulturnews: Sollte eine erwachsene Frau nicht auf eigenen Beinen stehen können?
Rumer: Theoretisch ja. Für Künstler gelten allerdings andere Regeln. Bevor ich Musikerin wurde, war ich total unabhängig. Blöderweise habe ich mich durch meinen Job zurückentwickelt. Manchmal fühle ich mich wie ein kleines Kind, das eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung braucht.

kulturnews: Vielleicht könnte der richtige Mann dein Problem lösen.
Rumer: Ich sehne mich tatsächlich nach einem Partner. Mit meinem Mr. Right würde ich wahnsinnig gern eine Familie gründen. Die hätte dann absolute Priorität für mich.

kulturnews: Vor Ruhm und Karriere?
Rumer: Klar! Ich sehe mich eh nicht als Rumer, den Star. Zumal ich auf der Straße eigentlich nie erkannt werde. Mir ist nicht mal bewusst, was für ein Image ich in der Öffentlichkeit habe.

kulturnews: Stört dich das?
Rumer: Nein. Ich hätte sowieso keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Weil ich dauernd arbeite.

kulturnews: Dafür kannst du dir jetzt ziemlich viel leisten.
Rumer: Okay, ich habe eine tolle Urlaubsreise kreuz und quer durch die USA gemacht, inklusive einer traumhaft schönen Fahrt zum Grand Canyon. Außerdem war ich in der Lage, mir eine Wohnung zu kaufen. Ansonsten verschwende ich mein Geld aber nicht. Ich investiere bestenfalls in einen gewissen Komfort, der mir meinen Alltag erleichtert. Aus rein pragmatischen Gründen gönne ich mir Business- oder First-Class-Flüge, damit ich nicht völlig übermüdet bei meinem nächsten Termin erscheine. Auch eine schöne Hotelsuite und gutes Essen sind für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich brauche das als Ausgleich zu diesem ewigen Druck, unter dem ich stehe.

"Boys don’t cry" erscheint Anfang Juni.

24.05.2012

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