Beirut // Story
Traurig, aber nicht wahr
Interview: Carsten Schrader
kulturnews: Zach, geht es dir gut?
Zach Condon: Ja, klar. Warum sorgt sich neuerdings eigentlich jeder um mein Befinden?
kulturnews: Das wird wohl an deiner aktuellen Platte liegen. "The Rip Tide" ist ja ein sehr ruhiges, düsteres, fast schon selbstzerfleischendes Album.
Condon: Ich musste mein Leben neu ordnen, und diese Platte dokumentiert meinen Kampf um Beständigkeit. Jahrelang habe ich aus Koffern gelebt und in Städten ein Zuhause gesucht, in die ich nicht gehöre. Dann ist mir klar geworden, dass meine ständige Rastlosigkeit nur die verzweifelte Sehnsucht nach einem Rückzugsort war.
kulturnews: Bist du deswegen nach Santa Fe zurückkehrt, die Stadt deiner Kindheit?
Condon: Als ich dort aufgewachsen bin, habe ich Stadt gehasst. Einerseits wird sie von Touristen überrollt, andererseits ist sie stark mexikanisch geprägt. Da hatte ich immer dieses Gefühl, komplett isoliert und der einzige meiner Art zu sein. Ich wusste einfach, dass an diesem Ort die Auseinandersetzung und damit auch die Arbeit an der neuen Platte beginnen muss. In meinem alten Jugendzimmer habe ich den Song "Santa Fe" geschrieben.
kulturnews: Dann hat es funktioniert, und die alte Heimat hat dir kreativen Anschwung gegeben?
Condon: Musikalisch schon, aber mit den Texten habe ich gekämpft wie nie zuvor. Was wohl daran liegt, dass ich mit dem Gefühl aufgewachsen bin, mein eigenes Leben sei nicht interessant genug, um darüber zu sprechen. Deswegen habe ich mit Beirut bislang auch immer fiktive Geschichten erzählt. Aber diesmal hatte ich mir vorgenommen, nicht vor mir selbst wegzulaufen - und bei diesem Kampf hätte ich beinah kapituliert.
kulturnews: Letztendlich scheint es aber mit der Aussöhnung geklappt zu haben. Wie wäre es, vielleicht ziehst du jetzt sogar zurück nach Santa Fe?
Condon: Inzwischen kann ich die Wärme und den Charme dieses Ortes wahrnehmen, und ich bemerke auch immer mehr, wie sehr die Stadt mich ausmacht und geprägt hat. Ich habe das Gefühl, dass ich vielleicht in zehn Jahren dorthin zurückziehen werde. Momentan kann ich das allerdings noch nicht so ganz vor mir selbst rechtfertigen. Ich habe ja auch gerade geheiratet und mir ein Haus in Brooklyn gekauft.
kulturnews: Dir scheint es in der Tat ja ziemlich gut zu gehen ...
Condon: Klar, ich antworte doch auf die Frage, ob es mit gut geht, doch auch immer mit ja. Das will mir bloß nie jemand glauben.
22.-24. 6. // Hurricane Festival, Scheeßel
24.05.2012







