Peri Baumeister // Story
Bis hierhin und nicht weiter
Interview: Volker Sievert
kulturnews: Frau Baumeister, die Liebesbeziehung zwischen Trakl und seiner Schwester Margarethe ist historisch nicht belegt, dennoch setzt der Film sie als gegeben voraus. Darf man das?
Peri Baumeister: Diese Geschichte ist ja erstmal das, was im Kopf der Drehbuchautorin entstanden ist, es sind ihre Assoziationen. Die basieren aber natürlich auf Trakls Gedichten. Die Autorin hat quasi weitergesponnen, wie alles abgelaufen sein könnte. Natürlich ist es dadurch, dass es nicht belegt ist, eine fiktive Geschichte. Allerdings finde ich es auch nicht an den Haaren herbeigezogen. Die Geschichte der Geschwister und auch Trakls Gedichte lassen viel Spielraum für Spekulationen; aber inwiefern die Dinge wirklich passiert sind oder nur in Gedanken stattgefunden haben - das ist natürlich nicht eindeutig.
kulturnews: Auf welches Reservoir an eigenen Erfahrungen und Emotionen greift man als Schauspielerin bei einem so drastischen Thema zurück?
Baumeister: Wie ich mich so einer Rolle annähere ist etwas ganz Privates. Davon abgesehen: Man kann sicher die Erfahrungen, die man gesammelt hat, Situationen, in denen man sich mal befunden hat, bis zu einem bestimmten Punkt verwenden. Ich finde es in vielen Fällen aber anmaßend, zu behaupten, man hätte vergleichbare Dinge erlebt. Man muss oft Dinge spielen können, die man zum Glück nie erleben musste - und dann hat die Vorbereitung bei mir viel mehr mit Fantasie zu tun. Ich frage mich manchmal, ob man so etwas überhaupt spielen könnte, wenn man es wirklich erlebt hätte. Man sollte für sich unterscheiden zwischen der Rolle, der man etwas Persönliches schenken und sie damit füllen möchte, und privaten Erlebnisse, die man verarbeitet und für das Spiel nutzt. Ich versuche das zu trennen, auch wenn es ein sehr schmaler Grat ist.
kulturnews: Wo ziehen Sie selber die Grenze vor der Kamera - und wo legen Sie es darauf an, sie zu verschieben?
Baumeister: Es ist ganz wichtig, dass man lernt, sich selbst zu schützen. Auch das bedeutet Professionalität, zu sagen: bis hierhin und nicht weiter. Egal, wie andere das aufnehmen oder bewerten. Man muss lernen, dass es wichtig ist, auf sich aufzupassen und gut mit sich hauszuhalten. Die Grenzen zu erkennen ist manchmal schwierig, aber ich vertraue da meiner Intuition und bin bis jetzt gut damit gefahren.
24.05.2012







