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Mischa Sarim-Vérollet // Story

Mischa Sarim-Vérollet
Foto: Ken Yamamoto

Slam? Not again!

Endlich haben Poetry-Slams abgewirtschaftet. Denn jetzt dürfen wir von Slamkönig Mischa Sarim-Vérollet viel spannendere Sachen erwarten.

Interview: Carsten Schrader

Gefunden in

uMag: Mischa, Poetry-Slams sind irgendwie durch, oder?
Mischa Sarim-Vérollet: Slams sind durch - und gleichzeitig werden sie immer populärer. Die ersten deutschen Meisterschaften fanden 1997 im Prater in Berlin vor 75 Leuten statt, und letztes Jahr waren sie in der O2-World in Hamburg. Ich persönlich fand es scheiße, weil es rein gar nichts mehr mit Poetry-Slam zu tun hatte. Das war einfach nur noch eine Unterhaltungsshow. Trotzdem bin ich da zwiegespalten: Die Professionalisierung ist nicht schlecht, weil es Menschen gibt, die jahrelang ganz viel dafür investiert haben, ohne etwas zurück zu bekommen. Aber es gibt natürlich auch viele, die jetzt einfach auf den fahrenden Zug aufspringen. All das geht zulasten des Punkgeistes, den das Ganze mal hatte. Die DIY-Komponente ist weg.

uMag: Legst du deswegen zur Zeit eine Slam-Pause ein?
Sarim-Vérollet: Ich finde es toll, was mir diese Sache gegeben hat und ich werde ihr auch immer verbunden sein, aber für mich ist gerade der Punkt erreicht, an dem ich nichts mehr hinzufügen kann. Abgesehen davon, dass es auch einfach keinen Spaß mehr macht, 800 Kilometer für die Fahrtkosten und eine Kiste Bier zu reisen, geht es für mich um eine fehlende künstlerische Weiterentwicklungsmöglichkeit. In der Szene habe ich alles erreicht, was ich erreichen kann, und ich mache ja immer noch meine Lesebühnen in Dortmund und in Berlin. Das reicht mir völlig.

uMag: Dann machst du dich jetzt daran, die vermeintlich seriöse Literaturwelt zu erobern, indem du ernsthaft auch mal über andere Themen als die eigene Person schreibst?
Sarim-Vérollet: Ich bin jetzt 30 Jahre alt, und es gibt ziemlich viele Themen, die ich gerne anpacken würde, bei denen ich aber einfach merke, dass ich eine Hemmschwelle habe. Ich habe jetzt so lange selbstbefindlich geschrieben, dass ich glaube, in irgendeiner Form wird das immer Teil meiner Texte bleiben. Auch Humor wird mich immer weiterbringen. Trotzdem: Neue Themen müssen her. Ein Glück, dass ich mit der Schriftstellerei einen Beruf gewählt habe, in dem man auch mit 40 noch als junger Autor gilt.

24.05.2012


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