Keb’ Mo’ // Story
Zeit und Raum
Interview: Philipp Roser
kulturnews: Kevin, du warst erst vor einigen Monaten in Deutschland unterwegs, und jetzt kommst du schon wieder auf Tour. Warum?
Keb’ Mo’: Mir hat es in Deutschland immer sehr zugesagt, auch wenn ich sechs oder acht Jahre lang nicht mehr hier war. Das Publikum ist sehr offen und sachkundig. Es besteht offenbar eine gewisse Nachfrage nach mir, und deshalb war es keine Frage, bald wiederzukommen - das hatten wir schon im November 2011 angepeilt. Das Einzige, was mir an Deutschland weniger gefällt, ist, dass man hier am Wochenenden nachmittags in kleineren Städten oft nicht mehr einkaufen kann ...
kulturnews: Bis zur Veröffentlichung deines Albums "The Reflection" ist viel Zeit vergangen. Hast du wirklich drei Jahre an den Songs geschrieben?
Mo’: Nein, das stimmt so nicht ganz: Es hat drei Jahre lang gedauert, bis ich sie aufgenommen hatte. Ich habe mir Zeit gelassen, ließ mich auch durch andere Projekte ablenken. Der Aufnahmeprozess zog sich hin, bis alles so passte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Außerdem war mein Plattenvertrag ausgelaufen, ich stand ohne Deal da und wollte erst mal sehen, wie sich die Branche und der Plattenmarkt entwickeln.
kulturnews: Längere Pausen sind nichts Neues für dich, so hatte deine Karriere ja schon begonnen: Dein Debüt "Rainmaker" erschien 1980, die zweite Platte "Keb Mo" dann erst vier Jahre später. Woran lag es damals?
Mo’: Ich hatte jede Menge Probleme, auch familiärer Art, unter anderem eine Ehe, die nicht klappte. Ich hatte Selbstzweifel, war frustriert vom Musikgeschäft, habe sogar ganz aufgehört, Musik zu machen und erst 1983 wieder angefangen. Zwischendurch arbeitete ich in ganz normalen Tagesjobs.
kulturnews: ... und als Schauspieler: Du hast zum Beispiel das Bluesdenkmal Robert Johnson in "Can’t you hear the Wind howl" verkörpert.
Mo’: Oh, das ist ewig her, das war 1992. Aber ich werde heute immer noch darauf angesprochen. Den Film, ein Dokudrama, habe ich noch als Kevin Moore gedreht und mir erst danach den Künstlernamen Keb’ Mo’ zugelegt. Ich muss dazu sagen, dass ich Robert Johnson natürlich sehr schätze, aber ich bin kein Robert-Johnson-Jünger. Da fühle ich mich Taj Mahal oder B. B. King wesentlich näher und enger verbunden.
kulturnews: Auf deinem aktuellen Album "The Reflection" wimmelt es vor namhaften Gästen wie Vince Gill, India.Arie, Dave Koz oder Marcus Miller. Warum hast du dir so viel Unterstützung geholt?
Mo’: Ich habe einige meiner Freunde gefragt, ob sie nicht Lust hätten mitzumachen, ein paar Fabrtupfer zu setzen - und ich habe sie auch anständig dafür bezahlt!
kulturnews: Wie lief die Zusammenarbeit?
Mo’: Unterschiedlich. Einige kamen zu mir ins Studio, mit anderen wie India.Arie habe ich Files ausgetauscht - wir haben nicht mal miteinander gesprochen, sondern nur per E-Mail und SMS kommuniziert.
kulturnews: Du bist vor einiger Zeit von Los Angeles nach Nashville gezogen. Das ist nicht mehr nur die Countryhochburg schlechthin, mittlerweile sind dort die Vertreter unterschiedlichster Genres zugange. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
Mo’: Meiner Frau und mir ging es um einen anderen, etwas ruhigeren Lebensstil, als er in Los Angeles verbreitet ist. Ich habe erkannt, ein bisschen kürzer treten zu müssen, ein bisschen ruhiger zu leben und mich mehr der Familie zu widmen. Außerdem wollte ich ein wenig mehr Platz. Also sind wir nach Nashville gezogen, wo es in der Tat musikalisch längst in alle Richtungen geht. Dort ist alles möglich, von Country bis Klassik.
kulturnews präsentiert
3. 7. Darmstadt, Merck Sommerperlen
4. 7. Ulm, Ulmer Zelt
5. 7. Freiburg, Zelt-Musik-Festival
6. 7. Stuttgart, Jazz Open
21.06.2012







