Stefan Dettl // Story
Nackte Tatsache
Von Michael Fuchs-Gamböck
"Doch, doch", bekräftigt Stefan Dettl mit seinem gemütlichem oberbayerischen Dialekt, "der Titel meines neuen Albums ist absolut ernst gemeint, eine Verneigung vor den Hippies und dem Sommer der Liebe von 1967."
Die CD heißt "Sommer of Love", doch um Sex und Drogen geht es Dettl weniger. "Liebe ist, wenn man wie ich fünf Jahre auf Tournee ist und in dieser Zeit fast ausschließlich mit feinen Menschen zusammenkommt", erklärt Dettl. "Liebe hat für mich heutzutage viel mit Nachbarschaft zu tun, mit Freundschaft, mit Solidarität. Der ,Summer of Love’, den ich für 2012 ausrufe, ist der des großen Zusammenhalts, des emotionalen Widerstands gegen eine kalt gewordene Realität."
Der 31-jährige Traunsteiner verschreibt sich auf seinem zweiten Solowerk den Idealen der Hippies, musikalisch, textlich - und klanglich. Er und seine Begleitmusiker haben in den USA extra analoge Röhrenverstärker besorgt, "damit unser Sound irgendwo zwischen Rock, Folk, Pop und Volksmusik warm und direkt rüber kommt." Trotz des englischen Titels singt er sämtliche Lieder der Platte in mal flauschigem, mal derbem Bayerisch. "Auf Hochdeutsch klinge ich nur gekünstelt, stumpf, leer."
Nachdem Dettls Solodebüt "Rockstar" 2011 prächtig ankam, gab der Blondschopf "Vollgas bei der neuen Scheibe, ehe mir La Brass Banda wieder in die Quere kommen würde", meint er schelmisch. In der Tat haben Dettl solo und seine Volxmusikcombo wenig gemeinsam. "Im Alleingang", definiert Dettl den Unterschied, "mache ich deftigen Rock plus ein paar Balladen, während La Brass Banda Tanzmusik im besten Sinne ist."
Das unablässige Touren der letzten Jahre sowie die Aussicht, dass sich in der nächsten Zeit daran nichts ändern wird, nervt Dettl nicht, im Gegenteil: "Dadurch, dass wir in einem klapprigen Bus unterwegs sind und eine Menge erleben, ist der Weg das Ziel, das Konzert nur Schlusspunkt eines Abenteuers. Wenn ich on the road bin, fühle ich mich selbstbestimmt und frei."
So frei wie der nackte Mann auf dem "Summer of Love"-Cover, der seine blanke Rückseite ins Bild reckt. Es ist die von Dettl. "Ich hatte kein Geld für ein Nacktdouble", feixt er, "also muss die Welt sich mit meinem bleichen Popo begnügen. Passt scho, oder?"
"Summer of Love" ist Ende Juni erschienen.
21.06.2012







