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Shawn Colvin // Story

Shawn Colvin
Foto: Michael Wilson

"Überhaupt keine Scham"

Folkrock mit Country- und Popeinflüssen machen viele. Aber nur bei wenigen Musikerinnen waren die Ausschläge so heftig wie bei Shawn Colvin (56). Ein Album und ein Buch geben nun tiefe Einblicke in ein Leben am Abgrund.

Interview: Steffen Rüth

Gefunden in

kulturnews: Shawn, parallel zu deinem Album "All fall down" erscheint in den USA auch deine Autobiografie "Diamond in the Rough". Was war denn schwerer zu schreiben - Buch oder Platte? Shawn Colvin: Ganz eindeutig das Buch! Die Arbeit hat wirklich lang gedauert, mehrere Jahre. Es war eine ziemliche Unternehmung, und ich bin immer noch begeistert von mir, dass ich das durchgezogen habe.

kulturnews: Du schreibst über deine harten Anfänge, den Aufstieg zur mit Grammys und Platinplatten ausgezeichneten Sängerin, aber auch über Depressionen, Selbstmordgedanken, Essstörungen und Alkoholsucht. War es hart, diese Dinge zu enthüllen?
Colvin: Nein, überhaupt nicht, das fiel mir leicht. Ich weiß auch nicht warum - vielleicht weil ich mich besser gefühlt habe, als ich meinerseits in schwierigen Phasen meines Lebens die Erinnerungen anderer Menschen las. Speziell Patti Smith mit ihrem Buch "Just Kids" hat mich sehr bewegt. Ich habe beim Schreiben überhaupt keine Scham gefühlt, selbst diese sehr privaten Dinge aus meinem Leben mitzuteilen.

kulturnews: Bauen die Songs auf dem Buch auf?
Colvin: Durch die Rückschau - bei der mir viele Tagebuchaufzeichnungen geholfen haben, auch wenn sie wild durcheinander waren - wurde mir etwas nostalgisch zumute. So ist ein Song wie "American Jerusalem" entstanden, der mich an meine Zeit in New York erinnert. Inzwischen lebe ich mit meiner Tochter wieder in Austin, aber in den 80ern habe ich New York geliebt, auch wenn das Leben dort sehr hart war.

kulturnews: Dein berühmtestes Lied heißt "Sunny came home" und stammt aus dem Jahr 1996. Damals hast du Millionen von Alben verkauft. War der Erfolg eine Genugtuung?
Colvin: Natürlich freut es dich, wenn das Radio plötzlich deine Musik spielt. Damals war insgesamt eine gute Zeit für Frauen mit Gitarren. Zum Glück wurde ich nie als Eintagsfliege gesehen, denn ich hatte seit den späten 80ern kommerziell Erfolg. Ich spiele den Hit bis heute übrigens gern und in praktisch jedem Konzert. Es ist ein fröhlicher, positiver Song.

kulturnews: Du bist jetzt, genau wie deine gute Freundin und Kollegin Emmylou Harris, bei der kleinen, aber renommierten Plattenfirma Nonsuch Records unter Vertrag.
Colvin: Ein wundervolles Label mit begeisterungsfähigen Menschen, die Musik lieben. Nonsuch ist eine altmodische Rarität.

kulturnews: Du auch?
Colvin: Ob ich eine Rarität bin, weiß ich nicht. Aber altmodisch bin ich auf jeden Fall.


"All fall down" ist Ende Juni erschienen.

21.06.2012


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