Luka Bloom // Story
Unfähig zum Unglück
Interview: Michael Schock
kulturnews: Luka, du bist gerade 57 geworden. Ab einem gewissen Alter ist ja interessant, worauf man in seinem Leben besonders stolz ist.
Luka Bloom: Zuerst auf meine beiden Kinder. Und beruflich, dass ich in meiner Lieblingslocation vor 950 Menschen spielen durfte, einem Kino namens Roma in Antwerpen. Ansonsten mache ich mir um die Vergangenheit keinen großen Kopf.
kulturnews: Also bereust du gar nichts?
Bloom: Dass ich "An Irishman in Chinatown" auf das Album "Riverside" gepackt habe ... Eine große Musikzeitschrift hat dem Album vier statt fünf von fünf Sternen geben, bloß weil sie den Song nicht mochten. Und ich wollte ihn nicht mal drauf haben, sondern wurde von der Plattenfirma dazu überredet.
kulturnews: Auf deinem neuen Album "This new Morning" gehst du Themen wie Krieg, Krise und Suizid an, klingst dabei aber nie sonderlich traurig.
Bloom: Genau das war mir wichtig. Ich glaube an den menschlichen Geist, an Freundschaft, an die Möglichkeiten jedes neuen Tages. Jeder hat die Kraft, ein vollständiges und glückliches Leben zu führen. Ich bin wohl einfach nicht so gut im Unglücklichsein ...
kulturnews: Das klingt beinah nach einer spirituellen Einstellung.
Bloom: Von sich zu sagen, man sei spirituell, ist eine ganz gefährliche Sache. Das klingt gleich nach Marketing, dass du eine gewisse Ansicht verkaufst. Aber ja, ich glaube an die Seele. Manche sind einfach sehr neugierig auf die Welt und andere zufrieden damit, Fußball zu schauen und Bier zu trinken. Das ist auch okay. Ich bin Leuten begegnet, die sich selbst als spirituell bezeichnen und dabei komplett egoistisch waren.
kulturnews: Ich komme auch darauf, weil du vor kurzem mit dem Dalai Lama getourt hast.
Bloom: Ich habe vor zehn Jahren einen Song namens "As I waved goodbye" über seine Wanderung durch den Himalaya geschrieben. Letztes Jahr kamen dann die Menschen auf mich zu, die seine Australienreise organisierten, und fragten, ob ich diesen Song vor seinen Auftritten live spielen würde. Ich nahm das als großes Geschenk an. Meine Lehre daraus war: Mach einfach deine Arbeit. Wenn du deine Musik aus den richtigen Gründen machst, wird schon irgendwann jemand das hören und auf dich zukommen.
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19.07.2012







