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Dispatch // Story

Dispatch
Foto: Ryan Mastro

Der gute Mensch von Boston

Dispatch zählen zu den erfolgreichsten US-Bands der letzten zehn Jahre – und das ohne Label, Marketing und lange Zeit sogar ohne neues Album. Chad Stokes, Primus inter Pares des multitalentierten Bostoner Trios, hat aber weit mehr auf dem Herzen als nur die Vermarktung brandneuer Songs.

Interview: Lars Schmeink

Gefunden in

kulturnews: Chad, ihr habt euch 2002 als Band getrennt. Das letzte Album ist noch länger her - warum jetzt eine neue CD?
Chad Stokes: Wie du vielleicht weißt, haben wir seit damals sehr wohl als Band noch live gespielt und alle paar Jahre ein großes Benefizkonzert gegeben. Und jedes Mal haben wir vorher geprobt, damit die Konzerte ein Erfolg werden. Das ist jede Menge Arbeit für einen Abend. Irgendwann war uns das zu doof, und wir dachten uns: Warum gehen wir dann nicht gleich auf eine Tour? Nur wollten wir dafür nicht nur das alte Material haben. Also haben wir neue Songs geschrieben - und so ist halt das Album entstanden.

kulturnews: Habt ihr die Differenzen bereinigen können, die euch damals auseinandergebracht haben?
Stokes: Ja, wir sind alle älter geworden, und auch wenn nicht alle Probleme zwischen uns verschwunden sind, so haben wir doch einen gewissen Frieden mit uns selbst und den anderen erreicht. Wir fühlen uns wohl miteinander und sind dank unserer Soloprojekte auch nicht mehr so unglaublich angestrengt dabei. Dispatch muss nicht mehr als einziges Outlet für unsere Egos herhalten.

kulturnews: Ihr seid alle drei Multiinstrumentalisten und schreibt auch alle Songs. Wie stimmt ihr da ab, wer was spielt und singt?
Stokes: Das ist ganz einfach. Normalerweise singt derjenige, der den Hauptanteil des Songwritings hatte, und der spielt auch die Leadgitarre. Die beiden anderen knobeln aus, wer gerade mehr Lust auf Bass oder Drums hat. Live ist das sehr lustig, weil wir ständig die Positionen tauschen. Da kommt keine Langeweile auf.

kulturnews: Ihr seid schon immer aktiv gewesen in Sachen politisches Engagement: Menschenrechte, Arbeitslosigkeit, die Ausbeutung Afrikas, Bush, US-Imperialismus ... Was ist diesmal euer Hauptanliegen?
Stokes: Dispatch als Band behandelt unterschiedliche Themen, aber aktuell engagieren wir uns besonders stark gegen die Bildungskrise in den USA. Die Rate der Abbrecher auf der Highschool ist unglaublich hoch; damit gehen dem Land ganze Generationen als Nachwuchs verloren. Das ist erschreckend und beginnt meist schon in der Grundschule. Dort werden, abhängig vom sozialen Umfeld der Kinder, die Weichen für die entsprechende Karriere - also Abbruch oder Abschluss - schon in der zweiten oder dritten Klasse gestellt. Und diesem Pfad folgen die meisten dann wie einer Einbahnstraße.

kulturnews: Euch eilt der Ruf voraus, dass ihr nicht nur über sozialen Themen singt, sondern auf Touren auch immer wieder selber anpackt. Und ihr fordert eure Fans zum Mitmachen auf.
Stokes: Stimmt, bei Problemen zu helfen ist für uns genauso wichtig wie Aufmerksamkeit dafür zu generieren. Wir sammeln Geld- und Buchspenden auf unseren Konzerten, beteiligen uns einer Initiative, die Freiwillige als Berater und Ansprechpartner für lernschwache oder abbruchgefährdete Schüler in Schulen schickt. Wir unterstützen "Teach for America", eine Organisation, die Uniabsolventen an Highschools schickt, um dort eine Zeit zu unterrichten. Und wir helfen bei Aktionen vor Ort mit kleineren Sachen: eine Schulhofsäuberung, ein neuer Fassadenanstrich, ein kleines Konzert für die neue Bibliothek - so etwas.

"Circles around the Sun" erscheint Mitte August.

19.07.2012


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