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Christian Ulmen // Story

Christian Ulmen
Foto: Constantin Film

Heiliger Bimbam!

Christian Ulmen hat echt Lust, an Gott zu glauben. Leider ist die Beweislage zu unklar. Also macht also erst mal weiter Witze – doch warum verschont er den Papst?

Interview: Volker Sievert

Gefunden in

uMag: Christian, "Wer’s glaubt, wird selig" spielt im erzkatholischen Bayern. Du bist selber nur standesamtlich verheiratet. Was ist denn gegen eine ordentliche kirchliche Hochzeit zu sagen?
Christian Ulmen: Überhaupt nichts. Dazu muss man aber vollumfänglich an Gott glauben - das tue ich leider nicht. Und eines reinen Show-Acts wegen will ich keine Kirchenzeremonie. Als Kind habe ich kirchliche Rituale hingenommen, ohne sie zu hinterfragen, als Erwachsener empfände ich das als dämlich.

uMag: Lach-Legende Mel Brooks hat mal gesagt: Man darf über alles Witze machen, außer über Kinder und den Holocaust. Über Katholiken und Co. darf man also völlig befreit kichern.
Ulmen: Absolut. Die Frage, ob man über irgendetwas oder irgendwen Witze machen darf, ist so kategorisch nicht zu beantworten und auch langweilig. Es geht doch darum, was ich zum Austragungsort von Humor machen darf, und da finde ich klar: Alles darf zur Bühne für Komik werden, die Kirche, Kinder oder wie in "Das Leben Ist schön" sogar der Holocaust. Einzig streiten darf man über den Stil.

uMag: Welche Religion ist die witzigste?
Ulmen: Religion ist nicht witzig.

uMag: Wie vertragen sich dann in Zeiten von zunehmendem religiösen Fanatismus Heilige und Humor, Salafisten und Slapstick?
Ulmen: Heilige und Humor vertragen sich grundsätzlich. Ich kenne sehr lustige Pfarrer. Fanatismus lässt sich mit gar nichts vereinen, mit Humor so wenig wie mit Freiheit, egal, wo er herrührt.

uMag: Lustige Pfarrer? Die meisten Religionen verstehen doch gar keinen keinen Spaß, gute Gags über Geistliche werden mit Hinweis auf die religiösen Gefühle der Gläubigen kritisiert. Was tut man dagegen?
Ulmen: Weitermachen! Schließlich erhält der ungläubige Spaßmacher ja seine gerechte Strafe in der Hölle - darauf sollten die Gläubigen im Diesseits vertrauen und jeden sein Ding machen lassen.

uMag: Kann es denn überhaupt so etwas wie eine Schnittmenge zwischen Komik und Klerus geben?
Ulmen: Soweit ich weiß gibt es die nicht.

uMag: Fragt sich weiterhin: Wieso gibt es keine trefflichen Späße über Atheisten und Agnostiker?
Ulmen: Gute Frage. Agnostikern wird hämisch Feigheit unterstellt, weil sie sich nicht festlegen. Atheisten-Gags kenne ich nicht. Dabei hätten sie es voll verdient, hemmungslos verarscht zu werden. Allein wegen ihres Anspruchs auf die ultimative Wahrheit, in dem sie sich null von einem Islamisten unterscheiden. Wer statt "Oh Gott" konsequent "Oh Mensch" sagt, um seine atheistische Haltung kundzutun, räumt einem vermeintlich nicht vorhandenen Gott mehr Raum in seinem Leben ein als ein Selbstmordattentäter. Im Prinzip halte ich Atheisten für dümmlich: Nicht einmal die Wissenschaft behauptet zu wissen, wo wir herkommen; wenn weder die Existenz Gottes noch die Nichtexistenz Gottes bewiesen ist, dann ist beides eine Glaubensfrage - wieso entscheiden sich Atheisten freiwillig für die trostlosere Variante? Ich habe keine Lust, an das Nichts zu glauben, das ist mir zu düster. Ich kann aber auch nicht an Gott glauben, das ist mir zu süß. Ich bin Agnostiker: Gott ist möglich. Ich glaube es nicht, aber kann ja sein, dass es ihn gibt - mich tröstet dieser Gedanke.

uMag: Zum Schluss der beste Papst-Witz.
Ulmen: Ich kenne keinen einzigen Witz.

19.07.2012


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