// Künstlerportal: Isabelle Huppert

Isabelle Huppert // Story

Isabelle Huppert

"Film ist ein Gemeinschaftswerk"

Sie ist die mutigste Frau des französischen Films und tritt nun schon zum siebten Mal unter der Regie von Altmeister Claude Chabrol auf. In „Geheime Staatsaffären“ spielt Isabelle Huppert eine Richterin, die Gefahr läuft, der Macht ihres Berufes zu verfallen.

Gefunden in

kulturnews: Madame Huppert, Claude Chabrol hat gesagt, dass er während der Dreharbeiten für einen Film eine familiäre Atmosphäre schätzt. Gehören Sie zur Familie?
Isabelle Huppert: Ja, er ist für mich so etwas wie mein Onkel, und ich bin seine Nichte. Diese Beschreibung unseres Verhältnisses trifft es ganz gut.
kulturnews: Er sagte auch scherzhaft, dass er Ihnen eine Rolle anbieten würde, für die Sie mehr essen müssten ...
Huppert: Das würde ich nicht machen. Ich täte alles für ihn, außer mehr zu essen. Ich würde generell keine Rolle annehmen, für die man von mir verlangte, mehr zu essen.
kulturnews: Wie würden Sie Ihre Art zu spielen definieren?
Huppert: Es ist ein non-method acting. Ich lasse mich von einer Figur führen und versuche nicht, die Figur zu bestimmen. Ich beobachte, wie sie sich im wirklichen Leben entwickeln würde. Das beinhaltet, dass sie dich manchmal an düstere und manchmal an heitere Orte führt. Ich denke, dass sollte man von einer Figur erwarten, oder besser gesagt, sollte das deine Figur von dir erwarten können. Diese Vorgehensweise finde ich interessanter als vorgefasste Vorstellungen davon zu haben, wie eine Figur sein sollte oder sich entscheiden zu müssen, ob sie gut oder schlecht ist. Sie ist einfach mal besser und mal schlechter.
kulturnews: Ist es Ihrer Meinung nach gefährlich, sich zu sehr mit seiner eigenen Arbeit zu identifizieren?
Huppert: Ich weiß nicht, ob es wirklich gefährlich ist. Wahrscheinlich nur dann, wenn man selbst das glaubt, was die Leute von einem denken. Denn es ist gerade in unserem Beruf üblich, dass sich die Leute ein Bild von dir machen, das meistens mit deiner wirklichen Persönlichkeit nichts zu tun hat. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig zu wissen, was das Publikum von dir hält, andernfalls könnte das zu Missverständnissen führen. Es ist also notwendig, sich damit auseinanderzusetzen, warum die Leute ein bestimmtes Bild von dir haben. Das kann jedoch manchmal ziemlich schwierig sein.
kulturnews: Wie gehen Sie nach einem Film- oder Theaterprojekt wieder auf Distanz zu der Figur?
Huppert: Das war nie ein Thema für mich. Für mich ist sehr klar, was Spiel und was Realität ist. Es fällt mir manchmal schwerer, mich von einem Bühnenstück zu distanzieren, denn Theater ist etwas Immaterielles, es bleibt nicht. Daher ist es schwieriger loszulassen, während der Film für die Zukunft existiert. Da ist es definitiv kein Problem, die Figur hinter sich zu lassen.
kulturnews: Hat Ihnen Ihr Job jemals Angst gemacht?
Huppert: Nein, er macht mir einfach nur Spaß. Er ist etwas sehr Natürliches für mich, deshalb denke ich nicht so viel darüber nach. Sicherlich beschäftige ich mich auch mit meinen düsteren Seiten, aber das ist eher erleichternd. Für das Publikum ist es definitiv schwieriger, sich damit auseinanderzusetzen, als es für mich ist, zu spielen. Aber im Endeffekt ist es für die Zuschauer auch eine Erleichterung, denn sie projizieren ihre eigenen Emotionen in die der Figur.
kulturnews: Wenn ich raten dürfte, würde ich sagen, Sie sind eine der Schauspielerinnen, die sich Ihre Filme nicht noch einmal anschaut, nachdem sie abgedreht sind.
Huppert: Doch, natürlich. Beim ersten Mal bin ich etwas nervös, wenn ich sehe, was aus dem Material geworden ist, denn es ist ja das Werk des Regisseurs. Manchmal wird man positiv, manchmal negativ überrascht. Es ist für den Schauspieler meist ziemlich frustrierend zu sehen, was alles gekürzt wurde. Man leidet immer etwas, aber das ist normal.
kulturnews: Wie gehen Sie mit dieser Frustration um?
Huppert: Man muss sich einfach damit arrangieren, denn es ist ein Bestandteil des Berufs. Es ist nicht dein Film, sondern der des Regisseurs. Kommt man damit nicht klar, muss man Regisseur werden. Wenn man spielt, legt man alles von sich hinein, aber der fertige Film ist ein Gemeinschaftswerk - du musst ihn immer mit allen Beteiligten teilen.

Interview: Simone Seidel

01.07.2006


Zugabe

Werde Roadie beim Hurricane Festival!

style+

Der neue Style-Guide als PDF zum Durchblättern

kulturnews

Das Magazin als PDF zum Durchblättern

kulturnews // präsentiert



Tim Burgess

Zugabe

Tickets für Joe Cockers Konzert in Mönchengladbach zu gewinnen!