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Christian Bale // Story

Christian Bale
Foto: Sony Pictures

Das Herz der Finsternis

Christian Bale ist der letzte wirklich besessene Schauspieler. Er hungert sich für Filme auf 54 Kilo runter, er wütet wie Kinski, er hasst die Öffentlichkeit. Was geht in diesem Mann vor?

Interview: Markus Tschiedert

Gefunden in

U_mag: Mister Bale, nun beleben Sie mit "Terminator" nach "Batman" ja schon wieder eine totgeglaubte Filmreihe zu neuem Leben. Sind Sie der Exhuminator von Hollywood, oder gehen Sie einfach auf Nummer sicher?

Christian Bale: Weder noch. Ich möchte einfach immer unterschiedliche Filme drehen. Deshalb mache ich zwischen großen Projekten genauso gerne kleinere Filme wie "Harsh Times" oder "I’m not there". Nur kriegen die selten eine so große Aufmerksamkeit geschenkt wie die Blockbuster. Dadurch entsteht offenbar der Eindruck, ich würde nur noch in "The Dark Knight" und "Terminator: Die Erlösung" mitspielen. Das finde ich schade.

U_mag: Ist ein "Terminator"-Film ohne Arnold Schwarzenegger überhaupt möglich?
Bale: Natürlich, das war für mich ja gerade die Herausforderung. Viele Leute meinten, dass die "Terminator"-Kinoserie nach dem dritten Teil am Ende war, der kam einfach nicht so gut an wie die ersten beiden Filme. Aber als ich das Drehbuch zu diesem neuen Film las, da sah ich die realistische Chance, die Sache mit einer großartigen Story neu zu beleben.

U_mag: Dann sind Sie also kein Totengräber, sondern ein Reanimator!
Bale: Sagen wir es mal so: Ich bin sicherlich selber nicht frei von Fehlern und weiß im Vorfeld auch nicht, ob ein Film vom Publikum angenommen wird oder nicht. Aber ich gebe verdammt noch mal stets mein Bestes, damit ein Film Erfolg hat. Nehmen Sie die beiden "Batman"-Filmen: Christopher Nolan hat damit einen Neustart gewagt und lag absolut richtig. Jetzt, bei "Terminator - Die Erlösung", respektieren wir zwar die Geschichte der ersten beiden Teile, aber ignorieren eher das, was in Teil drei geschah, weil dieser ein vernichtendes Ende setzte. Unsere Idee ist es indes, die Mythologie des Terminators wieder aufleben lassen.

U_mag: Sie sagen, Sie sind nicht frei von Fehlern. Gibt es Filme, für die Sie sich schämen?
Bale: Ach, gehen Sie mal ins Internet auf die Internet Movie Data Base, imdb.com. Da findet man zwar eine korrekte und vollständige Liste der Filme, in denen ich mitgewirkt habe. Was da jedoch oft falsch ist, sind die kommenden Projekte, die mir zugesprochen werden, bei denen ich aber gar nicht involviert bin. Ich habe mehrere Male versucht, diese Angaben zu korrigieren, aber man hat mich nicht gelassen. Die Begründung war recht skurril: Da ich Christian Bale bin, sei ich nicht autorisiert, meine eigene Seite auf imdb.com zu bearbeiten! Wer dafür allerdings zuständig ist, wollte man mir auch nicht sagen.

U_mag: Damit haben Sie aber jetzt geschickt von der eigentlichen Frage abgelenkt ...
Bale: Diese Geschichte habe ich erzählt, weil es mir peinlicher ist, mit Projekten in Verbindung gebracht zu werden, die gar nichts mit mir zu tun haben, als mit Filmen, die ich tatsächlich gedreht habe. Natürlich befinden sich darunter einige, die ich zutiefst bedaure, ohne sie jetzt hier benennen zu wollen. Ich überlasse es jedem selbst, meine Filmografie zu beurteilen. Ich sehe meine Arbeiten allerdings nicht als Fehler an. Wenn ich Fehler mache, dann tue ich das in der Öffentlichkeit.

U_mag: Sie beziehen sich auf den Familienstreit aus dem letzten Jahr, bei dem man Ihnen vorwarf, Ihre Mutter und Schwester tätlich angegriffen zu haben?
Bale: Genau das gehört eben nicht in die Öffentlichkeit. Es ist einfach zu privat, verstehen Sie das?

U_mag: Absolut. Irre ich mich oder stört es Sie kolossal, sich als Filmschauspieler überhaupt in der Öffentlichkeit präsentieren zu müssen?
Bale: Das stecke ich tatsächlich in einer Zwickmühle. Ideal wäre es, wenn die Leute einen Schauspieler nur über seine Rollen wahrnähmen. Wenn er nicht mehr sagen müsste als die Dialogzeilen in seinen Filmen. Das ist natürlich Wunschdenken, die Realität sieht anders aus. Es ist ja auch sehr menschlich, miteinander zu reden und die Meinung von anderen Menschen zu erfahren. Da ich nicht asozial erscheinen möchte, mache ich dieses Prozedere mit und gebe Interviews. Was mir nicht schwer fällt, wenn es um Filme geht, auf die ich stolz bin. Dann ist ein Interview eine gute Möglichkeit, die Leute dazu zu bewegen, ins Kino zu gehen. Manchmal zweifle ich aber daran, ob das auch für die großen Filme wie diesen notwendig ist. Die stehen doch eh meistens für sich selbst, da stecken ausgeklügelte Marketingstrategien dahinter. Ob ich dafür nun Interviews gebe oder nicht, wird den Erfolg nicht groß beeinflussen.

U_mag: Warum tun Sie es dann trotzdem?
Bale: Aus Loyalität zu den Leuten, die außer mir an dem Projekt beteiligt sind. Da fühle ich eine gewisse Verantwortung. Aber Sie können sicher sein: Wenn es nur nach mir ginge, gäbe ich gar keine Interviews mehr. Wahrscheinlich wäre ich dann aber schnell weg vom Fenster. Man sagt ja, dass ein Schauspieler, der nicht über seine Arbeit reden will, sie auch nicht mag - und das wäre ein fatales Signal. Also werde ich mich wohl auch weiterhin mit Ihnen hinsetzten und Interviews geben. (lacht)

U_mag: Als sie 1987 in Steven Spielbergs "Das Reich der Sonne" die Hauptrolle spielten, waren Sie gerade einmal 13 Jahre alt. Das heißt, Sie kennen den Medienrummel, der mit Ihrem Beruf einhergeht, seit über 20 Jahren. Hatten Sie je Zweifel an dem, was Sie tun?
Bale: Sicherlich. Ich bin auch der Meinung, dass man Kinder nicht zu früh vor die Kamera zerren darf. Aber darüber will ich mich gar nicht beschweren, ich habe davon ja auch profitiert und durfte die Welt bereisen. Aber der Preis, den man dafür zahlt, der ist schon speziell. Die Filmwelt ist eine Erwachsenenwelt, und es ist immer ein Risiko, ein Kind zu früh ins Showbusiness zu werfen. Jedes Junge, jedes Mädchen reagiert darauf anders. Ich hatte Glück, ich habe es verkraftet. Als Filmstar bezeichnet zu werden ist mir allerdings heute immer noch zutiefst zuwider.

Check-Brief

Name: Christian Charles Phillip Bale
Geboren: 30. Januar 1974 in Haverfordwest, Pembrokeshire, Wales
Beruf: Schauspieler
Eltern: Vater war Pilot, seine Mutter Zirkusclown
Erste Rollen: Werbespots unter anderem für "Pac-Man Cereals" mit elf Jahren
Erste Hauptrolle: "Das Reich der Sonne", 1987
Aktueller Film: "Terminator: Die Erlösung", im Kino ab 4. Juni

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Mehr Infos und eine Rezension zu "Terminator: Die Erlösung" gibt's hier.

01.06.2009


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