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Shakira Wolfsmädchen

Foto: Juame La Iguana / Sony Music

Vamp oder Mutter Teresa? Popstar Shakira hat von beiden was. Umso erstaunlicher, dass sie über zwei bestimmte Dinge keinesfalls sprechen will.

Interview: Dagmar Leischow


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kulturnews: Shakira, auf deiner CD gibt es neben den englischen Songs auch drei spanische. Wie entscheidest du eigentlich, in welcher Sprache du ein Stück singst?
Shakira: Um ehrlich zu sein, ich mache mir vorab keine großartigen Gedanken darüber. Sobald ich die Musik höre, ihre Melodie, spüre ich intuitiv, welche Sprache zu einer Geschichte passt. Einzig bei romantischen Titeln tendiere ich von vornherein zum Spanischen.

kulturnews: Und wenn du völlig unentschlossen bist, dann nimmst du ein Stück kurzerhand in beiden Sprachen auf?
Shakira: Wie bei der Single "She Wolf", meinst du? Die Originalfassung habe ich auf Englisch geschrieben, weil das ein recht kämpferischer Song ist. Du sprengst alle Ketten, machst dein Ding. Für den lateinamerikanischen Markt habe ich den Text erst nachträglich ins Spanische übersetzt.

kulturnews: "She Wolf" klingt gar nicht nach einer typischen Shakira-Nummer ...
Shakira: Ich hatte einfach Lust, mit Elektronik und Beats zu experimentieren. Das gilt übrigens für das gesamte Album. Es gibt etliche schnelle Songs. Hoffentlich reißen sie die Zuhörer derart mit, dass sie für eine Weile ihre Alltagssorgen vergessen. Es ist nämlich wichtig, sich ab und zu gehen zu lassen.

kulturnews: Und seine animalischen Instinkte auszuleben, stimmt's ...?
Shakira: Guck dir mein "She Wolf"-Video an, dann weißt du, wie ich dazu stehe! (lacht) Im Ernst: Es bringt doch nichts, sich ständig von der eigenen Vernunft oder gesellschaftlichen Normen einengen zu lassen. Nur wer auch mal auf sein Bauchgefühl hört, wird sich auf Dauer wirklich frei fühlen.

kulturnews: Du bist also kein Kopfmensch, schließe ich daraus.
Shakira: So pauschal kann man das nicht sagen. Ich setze jedenfalls alles daran, meinen Wünschen, meinem Unterbewusstsein auf die Spur zu kommen. Dafür gehe ich sogar zu einem Psychoanalytiker, mit dessen Hilfe ich mein Innerstes nach außen kehre. Für mich ist das wie ein Befreiungsschlag. Ich öffne mich ständig ein bisschen mehr, damit mache ich einen ganz wesentlichen Schritt auf dem Weg zum Glück.

kulturnews: Warst du früher verschlossener?
Shakira: Ja. Als Teenager hatte ich die kolumbianischen Werte und Ideale derart verinnerlicht, dass ich einen richtigen Tunnelblick bekam. Es war mir fast unmöglich, aus meinem starren Denkschema auszubrechen. Gott sei Dank bin ich toleranter geworden. Heute lote ich erst mal alle Möglichkeiten aus, bevor ich mich für oder gegen etwas entscheide.

kulturnews: Wie sehr hat dich deine religiöse Erziehung geprägt?
Shakira: Ich war auf einer katholischen Schule und wurde von Nonnen unterrichtet. Welche Konsequenzen das für mich hatte, kann man sich ja denken. Mehr möchte ich dazu allerdings nicht sagen. Religion und Sex sind für mich nämlich absolute Tabuthemen, die ich auf keinen Fall öffentlich diskutiere.

kulturnews: Dafür kämpfst du öffentlich und offensiv für die Bildung südamerikanischer Jugendlicher.
Shakira: Ja, mit meiner Stiftung Alas setze ich mich vor allem für die Förderung kleiner Kinder bis zu sechs Jahren ein. In diesem Alter brauchen die Kids gesunde Ernährung, Pflege, Erziehung und Stimulation, sonst können sich ihre Lernfähigkeiten nicht richtig entwickelt. Ein verheerendes Defizit, das sich nie wieder hundertprozentig korrigieren lässt.

kulturnews: In deiner Heimat Kolumbien liegt aber nicht nur die Bildung im Argen. Es gibt Drogenkartelle, Korruption, Krieg ...
Shakira: Und das alles wurzelt natürlich in der enormen sozialen Ungerechtigkeit. Einige wenige Familien sind extrem mächtig, die Kluft zwischen arm und reich scheint sich kaum überbrücken zu lassen. Trotzdem sollte man uns Kolumbianer nicht als gewalttätig oder böse abstempeln. Wir sind eigentlich sehr, sehr fröhliche Menschen.

"She Wolf" ist ab Anfang Oktober im Handel.

01.10.2009



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