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Martha Wainwright Piaf für die Putze

Foto: Cooperative Music

Von der schrägen Wainwright-Sippe ist Martha, 33, vermutlich noch die Normalste. Aber alles ist relativ.

Interview: Steffen Rüth


gefunden in:
kulturnews: Martha, was hast du mit Edith Piaf, der großen tragischen Dame des französischen Chanson, gemeinsam?
Martha Wainwright: Eigentlich gar nichts. Oder kannst du dir vorstellen, dass die Piaf erst ihr Geschirr in den Schrank räumt, dann mit dir telefoniert und anschließend ihr Klo putzen wird?

kulturnews: Weniger.
Wainwright: Siehst du. Dazu kommt, dass ich anderthalb Köpfe größer, blond und im Moment mindestens 30 Kilo schwerer bin. Im Januar werde ich nämlich zum ersten Mal Mutter. Diese ganze Piaf-Mania der letzten Jahre, mit dem Film "La Vie en Rose", dem Soundtrack und so weiter, die nervt ja auch nur.

kulturnews: Warum veröffentlichst du dann ausgerechnet ein Livealbum mit Stücken von Piaf?
Wainwright: Weil alle das wollten! Mein Mann und Mitmusiker Brad Albetta war ganz wild darauf, mein Produzent Hal Willner noch mehr. Die Männer meinten, Edith und Martha, das sei eine unschlagbare Kombination. Ich selbst war gar nicht so begeistert. Ich möchte ja nicht, dass es so aussieht, als hängte ich mich an den Hype ran, um endlich auch mal ein paar Platten zu verkaufen. Klar, wenn das Baby da ist, möchte ich mir endlich eine Putzfrau leisten können. Aber so nötig, um Trends hinterherzuhecheln, habe ich es nun auch wieder nicht.

kulturnews: Ich frage mich, was dann den Ausschlag gegeben hat, diese Platte zu machen.
Wainwright: Den Ausschlag gab Hal, als er 200 Piaf-Lieder anschleppte, die ich größtenteils so herrlich fand, dass ich meine Meinung innerhalb eines Abends komplett geändert habe. Zumal ich ja in Montreal aufgewachsen bin und fließend Französisch kann.

kulturnews: Piaf kommt aus einer kaputten Familie und hatte Zeit ihres kurzen Lebens mit Süchten zu kämpfen. Siehst du Parallelen zu dir selbst?
Wainwright: Abgesehen davon, dass ich Scheidungskind bin und aus keiner 08/15-Familie komme, war meine Jugend weder tragisch noch dramatisch. Edith sang auf der Straße, Martha sang im Wohnzimmer.

kulturnews: An Weihnachten auch wieder?
Wainwright: Meine Mum lebt in einem alten kanadischen Landhaus, dort treffen wir uns alle. Vielleicht streike ich dieses Jahr, weil im Januar das Baby kommt und ich behaupten werde, ich müsse mich schonen. Die drehen ja schon durch, wenn sie mich nur sehen. Da muss ich nicht auch noch singen.

"Sans Fusils, ni Souliers, à Paris" ist Anfang Dezember erschienen.

01.12.2009



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