09.02.2010
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F.A.Q. Sven Regener Sven, wie viele Dosen Bier hat ein schlechter Tag?

Interview: Carsten Schrader
Foto: Charlotte Goltermann
Sven, kennst du drei Gründe, warum die 80er so furchtbar waren, wie überall behauptet wird?
Das war doch nur ein Jahrzehnt wie jedes andere auch. Okay, Karottenhosen waren scheiße. Aber die habe ich auch nie getragen. Ansonsten fand ich die 80er nicht so schlimm.
Dann drei Gründe, warum die 80er besser waren als ihr Ruf?
So gut waren sie nun auch wieder nicht.
Wie erklärst du einem Kind den Begriff Prekariat?
Gar nicht. Zumindest nicht aus freien Stücken, weil dieser Begriff überflüssig ist. Wenn das Kind aber fragen sollte, dann würde ich sagen, dass der Begriff Personen beschreibt, die in schwierigen finanziellen Verhältnissen leben.
Vor welcher Frage fürchtest du dich bei Lesungen am meisten?
Ich lasse keine Publikumsfragen zu. Da habe ich keinen Bock drauf. Wenn die Leute für eine zweistündige Lesung bezahlt haben, dann lese ich ihnen in der Zeit lieber was vor. Ich bin einfach nicht angetreten, um öffentlich Fragen zu beantworten. Nach Konzerten macht man das ja auch nicht.
Was würdest du tun, wenn du mit Herrn Lehmann einen Tag in Berlin verbringen solltest?
Ich würde nicht hingehen. Was würde das denn ergeben? Okay, wenn es unbedingt sein muss, würde ich mit ihm in den Biergarten gehen. Da hat man seine Ruhe.
Auf welchen Moment in deiner Karriere warst du am schlechtesten vorbereitet?
Auf meinen allerersten TV-Auftritt 1983 bei der Sendung "Showstart" mit Jürgen von der Lippe. Damals bin ich mit der Band Zatopek aufgetreten. Das war ein Kulturschock, auf den ich nicht vorbereitet war. Das war eben Fernsehen.
Warum ist Punk tot?
Punk gibt es doch noch überall. Warum sollte das auch verschwinden? Fast jeder junge Mann zwischen 15 und 20 hat irgendwann eine Phase, in der er Punk sein will. Ich weiß auch gar nicht, was die ursprüngliche Idee von Punk ist. Wenn man so anfängt, hat man ja auch schon verschissen. Wer denkt, dass es eine diskussionswürdige Ursprungsidee gibt, hat Punk schon mal gar nicht begriffen. Nichts ist langweiliger als diese alten Rentner, die erzählen, sie seien 1977 schon Punks gewesen und die heutigen Punks seien keine mehr. Punk ist der, der sagt: Ich bin Punk. Ich bin doch nicht der Typ, der die Kleider kontrolliert, ob sie denn auch so sitzen, wie das beim Punk zu sein hat. Oder ob die Frisur stimmt. Und zu sagen, dass es heute nicht mehr ist wie damals, das ist doch banal. Nichts ist heute mehr wie damals. Auch Polohemdentragen nicht. Das sind doch offene Systeme, bei denen jeder mitmachen kann. Wenn sie zu geschlossenen Systemen werden, wird alles schnell zur Vereinsmeierei - und damit uninteressant.
Angenommen, du müsstest noch einmal in eine WG ziehen, welche drei Regeln würdest du aufstellen?
Eigentlich weiß ich nur eine, die unbedingt gelten muss: Keiner betritt mein Zimmer, ohne vorher anzuklopfen. Wenn man Sachen wie Abwasch mit Regeln festlegen muss, dann sollte man erst gar nicht mit WGs anfangen.
Welcher Ort ist dir der liebste: Hinter der Bar, hinterm Grill oder hinter der nächsten Gelegenheit, dich zu verstecken?
Hinter der Bar.
Wie viele Geschwister wünschst du deinem ärgsten Feind?
Keine.
Wie viele Dosen Bier hat ein schlechter Tag?
Auch keine.
Welche Musiker wären dabei, wenn du die beste Band der Welt zusammenstellen könntest?
Jakob Ilja an der Gitarre, Richard Pappik am Schlagzeug, David Young spielt Bass, und ich singe.
Warum kann man optimistisch in die Zukunft blicken?
Warum nicht? Wenn man denn will ...
Check-Brief
Name Sven Regener
Berufe Autor von Romanen und Drehbüchern, Sänger, Gitarrist und Trompeter der Band Element Of Crime
Geboren am 1. 1. 1961 in Bremen
Größte Erfolge Von seinem Debütroman "Herr Lehmann" wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft, für das Drehbuch zur gleichnamigen Verfilmung von Leander Haußmann erhielt er 2004 den Deutschen Filmpreis.
Lesereise
26. 9. Bremen Schlachthof
16. 10. Frankfurt Mousonturm
14. 11. Hannover Capitol
15. 11. Bielefeld Ringlokschuppen
16. 11. Köln Live Music Hall
17. 11. Bochum Zeche
19. 11. Stuttgart Theaterhaus
20. 11. Erlangen E-Werk
21. 11. Dresden
23. 11. Hamburg Schauspielhaus
24. 11. Leipzig Werk 2
25. 11. Berlin Postbahnhof
27. 11. München Muffathalle
28. & 29. 11. Wien Rabenhoftheater
Links
Rezension zu "Der kleine Bruder" - Die dritte Episode der Lehmann-Trilogie
25.08.2008

