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"In wessen Unterbewusstsein gehen wir nochmal?" Traumarchitektin Ariadne (Page) stellt nach 90 von 150 Minuten die irritierte Frage, die auch den Zuschauer beschäftigt. Bis dahin hat der Traumdieb Cobb (Di Caprio) unzählige Fakten über Träume erzählt, war man an so vielen Schauplätzen und Traum-im-Traum-Situationen, sah Paris auf Paris klappen wie einen urbanen Riesenburger, dass man kaum noch mitkommt. Cobb schleicht sich samt Crew ins Unterbewusstsein eines Energiekonzernerben ein, um dort nicht wie sonst eine Idee zu stehlen, sondern eine zu pflanzen und ihren Weg nehmen zu lassen: Zerschlage deinen eigenen Konzern - zugunsten deines Konkurrenten. Das geht nicht ohne klassische Vater-Sohn-Psychologie und aufwändige Schießereien, intime Dialoge und "Matrix"-artige Parallelweltaction, dreischichtigen Traumebenen und persönlichem Trauma: einer toten Ehefrau, die Cobb nicht aus seinen eigenen Träumen verbannen kannn. Und viel, viel, sehr viel erklärenden Dialogen, die die Figuren angesichts der hochkomplexen Traumwelt führen, um dem Zuschauer nicht völlig den Faden verlieren zu lassen. Vegeblich - der Film will so viel und will so klug sein und hält sich mal sklavisch an Logik und Physik, um beides, wenn es ihm passt, binnen Sekunden über Bord zu werden. Im besten Falle ist "Inception" inspirierend, im schlechtesten überlange, theoretisch-intellektuelle Masturbation, die nach einer Weile in ihrer Verliebheit in die Brillanz der eigenen Idee nervt. Christopher Nolan beschäftigt sich abseits seiner erfolgreichen "Batman"-Filme seit jeher mit dem Konstruieren, Rekonstruieren und Dekonstruieren von Realität und Wahrnehmung. Das war in "Memento" packend, in "Prestige" schon verwirrend - und führt in "Inception" zum kompliziertesten, überambitioniertesten Blockbuster aller Zeiten. Für den Mut, mit 200 Millionen Dollar eine Hausarbeit zum Thema "Das Unterbewusstsein und was darunter legt" verfilmt zu haben, verdient Nolan Anerkennung. Aber auch die dringende Bitte um Mäßigung. (vs)
