La La Land

Die besten Kinofilme
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La La Land

Wie Gespenster aus der Vergangenheit blicken die allmählich verblassenden Gesichter alter Hollywoodikonen von einer Häuserwand, an der die strauchelnde Schauspielerin Mia (Emma Stone) vorbeiflaniert; kurz darauf trifft sie in einer Bar auf den Pianisten Sebastian (Ryan Gosling), der gerade gefeuert wird, weil er lieber Free Jazz spielen möchte als „Jingle Bells“. Künstlerische Integrität scheint genauso dem Untergang geweiht wie das Kino der goldenen Hollywood-Ära, das sich alle Mühe gibt, noch etwas von ihrem trüben Glanz abzustrahlen auf eine Traumfabrik, die in „La La Land“ nur mehr eine Kulisse ihrer selbst ist. Die Mimin und der Musiker, die in der verheißungsvollen city of stars vergeblich ihren Träumen hinterherjagen, verlieben sich ineinander – und der Film lässt den schwärmerischen Eskapismus vergangener Tage zunächst in großem Stil wieder aufleben. Wenn sich Mia und Seb „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ im Kino anschauen, die Filmrolle aber im Projektor durchschmort, sich das Paar daraufhin an einem der Hauptschauplätze des James-Dean-Klassikers, dem Planetarium des Griffith-Observatoriums, ihr eigenes Happy End imaginiert und schließlich gar gemeinsam in die Sterne fliegt: Das ist Kitsch in seiner allerprächtigsten Form.

Doch „La La Land“, der gerade sieben Golden Globes gewann und damit einen neuen Rekord aufstellte, ist ein Film von Damien Chazelle, selbst gescheiterter Jazzmusiker, der nun Filme über Menschen macht, die für die Verwirklichung ihrer Karriereziele private Opfer und blutige Hände in Kauf nehmen. Beziehungen und Erfolg sind bei Chazelle unvereinbar, und im Zweifel gewinnt immer die Karriere – das war in „Whiplash“ so, und nun auch in „La La Land“: In der zweiten Filmhälfte unterzieht Chazelle die Romantik und primärfarbene Technicolor-Euphorie einem Realitätscheck; Liebe und Idealismus sind in seinen Filmen zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Inbrünstig emuliert der Filmemacher das klassische Hollywood-Musical nach Vincente Minnelli, nur um es später doch totzusagen; zelebriert wirkungsvoll die Kraft des eskapistischen Kinos, glaubt aber nicht wirklich an sie – „La La Land“ ist wie eine bittere Pille, versteckt unter einem Esslöffel voll Zucker. sb

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