Manchester by the Sea

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Manchester by the Sea

Dramatiker mit Humor

Kenneth Lonergan dreht selten Filme – aber wenn, dann sehr gute. Doch Lonergan schrieb auch Drehbücher zu zahlreichen Filmen, die mit seinen zwischenmenschlich komplexen Indiedramen wenig gemein haben. Darunter sind nicht nur Martin Scorseses Historienepos „Gangs of New York“, sondern auch zwei Robert-De-Niro-Komödien: „Reine Nervensache“ von 1999 und ein Jahr später der so obskure wie unterschätzte Realfilm-Animations-Mix „Die Abenteuer von Rocky & Bullwinkle“.

Licht und Schatten

Eines hat Casey Affleck seinem älteren Bruder Ben seit diesem Jahr voraus: Einen Oscar als Bester Hauptdarsteller. Dabei munkelt man spätestens seit Andrew Dominiks brillantem Antiwestern „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, dass es sich bei Casey zumindest schauspielerisch um den besseren Afflleck handelt. Allerdings wurde sein Oscar-Gewinn auch von einem kleinen Skandal überschattet: Laudatorin Brie Larson verweigerte sowohl Applaus als auch Handschlag – Affleck soll am Set seiner Pseudo-Doku „I’m still here“ zwei Kolleginnen sexuell belästigt haben.

Große Qualitäten – kleine Fehler

Mit Intensität und Feingespür erzählt Lonergan von einem Mann, der so sehr getrauert hat, dass außer Wut fast alle Gefühle aufgebraucht zu sein scheinen. Doch nimmt Afflecks mal leises, mal eruptives Spiel auch so viel Raum ein, dass die zahlreichen Figuren neben ihm verblassen. Tipp: Nach „Manchester by the Sea“ den noch besseren „You can count on me“ schauen.

Zwei Versionen eines Themas

Nach „You can count on me“ ist „Manchester by the Sea“ schon der zweite Film, in dem sich Kenneth Lonergan mit Familiendynamiken und Trauer auseinandersetzt. Sein Regiedebüt von 2000 hatte sogar eine ganz ähnliche Prämisse: In „You can count on me“ treffen zwei Geschwister, die als Waisen aufwuchsen, nach langer Zeit wieder aufeinander – und wie Lee in „Manchester by the Sea“ nach dem Tod seines Bruders zum Erziehungsberechtigten seines Neffen ernannt wird, so wird in „You can count on me“ Terry (Mark Ruffalo) zum Vaterersatz für den Sohn seiner Schwester.

Der Star im Hintergrund

Casey Affleck ist das Zentrum des Films, Kenneth Lonergan der vielgelobte Regisseur. Doch es gibt noch einen weiteren Star, ohne den „Manchester by the Sea“ womöglich nicht entstanden wäre: Matt Damon. Ursprünglich wollte er selbst Regie und Hauptrolle übernehmen, bevor er schließlich Lonergan mit dem Drehbuch vertraut machte und den Film produzierte. Wahrscheinlich eine gute Entscheidung.

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