Matthias Egersdörfer: Ein Ding der Unmöglichkeit

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Matthias Egersdörfer: Ein Ding der Unmöglichkeit
Foto: Stephan Minx

Der Kabarettist aus Fürth bei Nürnberg ist nicht einfach nur der Grantler unter den Kabarettisten, er ist der absolut schlechtestgelaunte Kabarettist überhaupt. Matthias Egersdörfer nimmt gerne Alltagsbeobachtungen oder Erlebtes aus dem Privatleben, das kann gerne auch extrem Absurd sein oder ins Absurde führen, manchmal auch ins Politische. Der Titel seines neuen Programms „Ein Ding der Unmöglichkeit“ entstand laut Egersdörfer, als er dachte, er müsse mal wieder ein neues Programm auf die Beine stellen, und spontan diesen Satz raushaute. Unmögliches möglich zu machen – eigentlich ist das kein schlechtes Versprechen, erst recht für einen auf der Bühne so schlecht gelaunten Entertainer. Wollen sie das honorieren? Dann können Sie hier für Matthias Egersdörfer abstimmen, wir haben ihn auf die kulturnews-Bestenliste gesetzt.

Interview

Matthias Egersdörfer, was ist Stille?

Herr Egersdörfer, können Sie bitte was sagen? Ich muss das Aufnahmegerät vorbereiten.
Neun, neun, neun. Neun, neun, neun. Neun muss man sein, will man einen Ochsen erschlagen. (Egersdörfer vernuschelt den Rest)

Wie bitte?!
Neun, neun, neun. Neun, neun, neun. Neun muss man sein, wenn man will einen Ochsen erschlagen. Zwei vorne, zwei hinten, zwei halten, zwei binden, und einer sticht hinein.

Ist das immer Ihr Soundcheck?
Das ist mein Soundcheckstanzerl, ja.

Herr Egersdörfer, mit welcher Laune stehen Sie frühmorgens auf?
Unterschiedlich. Es kommt drauf an, was man speziell getrunken hat am Vortag. Oder wenn das Feng Shui im Hotel nicht gestimmt hat, stell ich fest, dass ich zu wenig geschlafen hab. Dann bin ich zwar wach, aber noch immer müde.

Wie werden Sie ihre schlechte Morgenlaune wieder los?
Entweder lege ich mich nach dem Frühstück noch einmal ins Bett und versuch’s noch einmal, oder ich hüpfe in einem leichten Hemdchen grinsend über grüne Blumenwiesen.

Der Choleriker hat welche Funktion in der zwischenmenschlichen Beziehung?
Der Choleriker ist ein Arschloch, der hat sich nicht unter Kontrolle.

… und in der Gesellschaft?
O je, jetzt geht‘s schon wieder los. Jetzt sollte man noch einmal auf die erste Frage zurückkommen … Oder ich hätte besser vorher gefrühstückt.

Die Frage mit der schlechten Laune?
Wenn mir solche Fragen gestellt werden! Das ist eine Katharsis! Der Choleriker schreit für die unterdrückten Massen.
Stille ist …
Stille ist, wenn das Radio aus ist und Bier auf dem Tisch steht.

Brüllen ist …
Brüllen ist … brüllen kann heilend sein.

Welches Körperteil mögen Sie an sich überhaupt nicht?
Das ist so ne Modelfrage, oder? Ich hab so ne kleine Warze am Zeigefinger, die mag ich nicht.

Wo kaufen Sie Ihre Anzüge?
Den letzten hab ich in der Not gekauft, weil ich meinen daheim vergessen hatte. Irgendwo in einem Kaufhaus. Der hält jetzt erstaunlich lange!

Sie werden gerne der fränkische John Belushi genannt. Haben Sie schon mal daran gedacht, Hut zu tragen?
Hut?! Ich sehe scheiße aus mit Hüten. Ich setz mir keinen Hut auf, da ist meine Eitelkeit zu groß.

Was bewirkt in Ihnen ein Abend mit über zwei Stunden cholerischer Anfälle?
Ich bin danach lammfromm. Und ausgeglichen.

Dann müssen Sie keine Drogen einnehmen, um aus dieser Nummer wieder rauszufinden?
Doch. Das probate Mittel ist Bier. Wenn ich in einer Weingegend bin, lasse ich mich auch von einem guten Wein überzeugen.

Wie trainieren Sie Ihre Stimmbänder, um die tägliche Tortur auf der Bühne auszuhalten?
Boah. Die Sänger der ganzen Punk- und Hardcorebands, die viel mehr brüllen als ich, haben ja auch alle keine Gesangsausbildung. Auch ich hab keine genossen, und ich brülle eben nicht bis zum kompletten Anschlag. Ich hör kurz davor auf.

 

CHECKBRIEF
KÜNSTLERNAME Matthias Egersdörfer
BERUF Kabarettist
ALTER 47
HERKUNFT Lauf an der Pegnitz
LEBT in Fürth in Mittelfranken
STUDIUM Germanistik, Theaterwissenschaft, Philosophie
AUSBILDUNG Medienberater
STUDIUM II Meisterschüler bei Peter Angermann an der Kunstakademie Nürnberg

ERSTE BÜHNENERFAHRUNG ab 1993 beim Improtheater und in kleineren Ensembles
ERSTES SOLOPROGRAMM
„Der Alleinunterhalter“ (2004)
EIGENSCHAFT Ist neben Kollege Serdar Somuncu der größte Choleriker der Kabarettszene
AUSSERDEM Sänger der Combo
Fast Zu Fürth

SEHENSWERTER TV-AUFTRITT
als Zellengenosse von Dittsche in der gleichnamigen Serie von Olli Dittrich im Jahr 2008
AKTUELLES SOLOPROGRAMM
„Ein Ding der Unmöglichkeit“

Matthias Egersdörfer: Ein Ding der Unmöglichkeit
Foto: Stephan Minx