Nocturnal Animals

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Nocturnal Animals

2002, da dachte Amy Adams sicher, er steht nun bevor, der Durchbruch. Doch ihre Rolle neben Leonardo DiCaprio in Steven Spielbergs „Catch me if you can“ brachte nicht nur nicht den erhofften Erfolg – es kamen danach für ein Jahr gar keine Filmangebote mehr! Heute hat Amy Adams ihn längst geschafft, den Durchbruch – es hat nur in Deutschland noch keiner so richtig mitbekommen.

Wenn man nicht genau hinsieht, könnte man die 1974 in Italien geborene und als Mormonin erzogene Adams für die jüngere Schwester von Julianne Moore halten: um die 1,60 Meter groß, bleich, ernstes Gesicht, rote Haare. Doch während Moore längst ein etablierter Star und Oscar-prämiert ist, ist Adams der breiten Masse auch nach zwei Oscar-Nominierungen noch kein klarer Begriff. Das ist schade, für Publikum wie Künstlerin. Und ungerecht, denn Adams ist eine extrem wandelbare Schauspielerin. Gerade spielt sie in „Nocturnal Animals“ (siehe unten), der zweiten Regiearbeit von Designerikone Tom Ford, mit viel Schminke und lebloser Mimik eine seelenlose Galeristin – und im gleichen Film eine lebensfreudige Kunststudentin, die gleiche Frau, heute und damals.

Adams macht die Desillusionierung ihrer Figur spürbar, ohne dass der Film die Jahre zwischen jugendlicher Zuversicht und erwachsener Leere zeigen würde. Mal strahlen ihre blauen Augen wie Fixsterne, denen man auf dem Weg in seine Zukunft folgt, dann wieder sind diese blauen Augen tote Edelsteine in einem schwarzen See aus Eyeliner und Lidschaften. Adams subtile Ausstrahlung, weitab von Julia Robert’scher Starpower oder Angelina Jolie’schem Sexappeal, machen die ausgebildete Tänzerin vielfältig besetzbar. Ob als singende Prinzessin in dem Disney-Erfolg „Verwünscht“, der sie bekannt machte, oder als junge Nonne an der Seite von Philip Seymour Hoffman in „Glaubensfrage“; als Boxerehefrau oder Sektenführergattin („The Fighter“, „The Master“); bei Tim Burton oder Spike Jonze; neben den Muppets oder Superman („Batman vs. Superman: Dawn of Justice“): Adams hat das alles drauf, das macht sie zu einer besseren Schauspielerin, aber für den Zuschauer auch schwerer zu fassen. Ihr zweiter aktueller Film neben dem düsteren Thriller „Nocturnal Animals“ belegt das noch einmal deutlich: Das Science-Fiction-Drama „Arrival“ zeigt Adams fragil und ängstlich als traumatisierte Linguistin, die mit Aliens kommunizieren soll. Gleichzeitig sieht man eine unnachgiebige Frau, die länger und härter an der Sache arbeitet als das Militär. Und doch, das ist die Kunst: Adams verliert ihre Zerbrechlichkeit nie.

Man könnte sagen: Für den ganz großen Ruhm, der immer ein Vereinfacher ist, besitzt Amy Adams zu viele Facetten – und sie zeigt auch noch zu viele davon in einem Film. Wir aber können froh sein für so viel Wandelbarkeit. Und hoffen, dass nach „Nocturnal Animals“ ein paar mehr Menschen wissen, dass Amy Adams ihren Durchbruch längst geschafft hat.

Nocturnal Animals
Die reiche Galeristin Susan (Amy Adams) erhält von ihrem früheren Mann Edward (Jake Gyllenhaal) dass unveröffentlichte Manuskript seines neuen Romans. Er ist in der Stadt und möchte Susans Meinung wissen. Susan, die Edward einst riet, über etwas anderes zu schreiben als sich selber, hatte ihren Ex bei der Trennung auf grausame Weise verletzt. Susan beginnt. den Roman mit dem Titel „Nocturnal Animals“ zu lesen – und der ist ebenfalls grausam: Tony (wieder Gyllenhaal) wird mit Frau und Tochter auf einer Fahrt durch Texas von einer Gang bedrängt und entführt. Tony entkommt. Tage später werden die Leichen der beiden Frauen gefunden. Der ermittelnde Polizist (Michael Shannon) will zur Bestrafung der Täter auch illegale Mittel einsetzen, und entführt zusammen mit Tony wiederum den Rädelsführer der Morde. Susan ist schockiert von der Lektüre, erinnert sich aber dadurch an ihre Beziehung mit Edward. Zwischen ihrem Leben und der Romanhandlung tun sich Parallelen auf.

Texte: vs

Nocturnal Animals kommt am 22. Dezember 2016 in die Kinos. Wo und wann der Film genau läuft, erfährst du auf unserer Seite daskinoprogramm.de.

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