Professor Bernhardi: Schaubühne, Berlin

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Professor Bernhardi: Schaubühne, Berlin
Foto: © Arno Declair

Eine junge Frau liegt nach einem Schwangerschaftsabbruch sterbend im Krankenhaus, ein Pfarrer möchte zu ihr, der Klinikleiter Bernhardi aber verweigert ihm den Zutritt: Die Sterbende phantasiert im Delirium, bald geheilt zu sein, Bernhardi möchte sie glücklich sterben lassen. Noch während der Arzt und der Geistliche streiten, informiert eine Schwester die Patientin über das Auftauchen des Pfarrers, diese ist entsprechend aufgeregt – und stirbt. Worauf der jüdische Arzt Vorwürfen ausgesetzt ist, ein christenfeindliches Programm zu verfolgen …

Arthur Schnitzlers Drama „Professor Bernhardi“ (1912) klingt wie der Kommentar zu einer Gesellschaft, die jegliches Fremde als Angriff auf die eigene Souveränität versteht. Eigentlich das Stück der Stunde, in der AfD und Pegida des Islam per se als Angriff aufs christliche Abendland interpretieren, gegen den man sich mit aller Macht zu verteidigen habe. Allein – besonders häufig wird „Professor Bernhardi“ nicht aufgeführt.

Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier inszeniert den Stoff als Politthriller, der die Frage behandelt, „wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann (…). Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird?“

Professor Bernhardi: Schaubühne, Berlin
Foto: © Arno Declair