T2 Trainspotting

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T2 Trainspotting

Gleich zu Beginn fällt Ewan McGregor erst mal vom Laufband – als Exjunkie Mark Renton hatte er in den Jahren, seitdem er seine Mitdrogies Spud, Sick Boy und Begbie um 16 000 Pfund Drogendealgeld erleichtert hatte, die klassische Ersatzdroge cleaner Fixer entdeckt: Joggen. Doch auch der dauernde Dauerlauf kann den herzkranken Mark nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein bürgerliches Leben in Amsterdam etwas von einem gestreckten Schuss hat: sieht echt aus, kickt aber nicht.

Als seine Mutter stirbt, macht sich Mark auf den Weg zurück in die Heimat, zurück nach Edinburgh, wo seine ehemaligen Suchtgenossen ebenso vergeblich versucht haben a) sich eine tragfähige Existenz aufzubauen oder b) immer noch an der Nadel hängen. Sick Boy (Johnny Lee Miller) nimmt „nur“ noch Kokain, erpresst mit seiner bulgarischen Partnerin mehr schlecht als recht sexgeile Geschäftsmänner und führt eine heruntergekommene Bar. Spud (Ewan Bremner) hängt immer noch an der Nadel und will sich gerade das Leben nehmen, als Mark auftaucht. Und der rachsüchtige Psycho Begbie (Robert Carlyle) flieht aus dem Knast, heim zu seiner Familie. Nach ein paar ordentlichen Schlägen raufen sich Mark und Sick Boy fürs Erste zusammen und wollen ein Bordell eröffnen, während Spud beginnt, seine Drogenerlebnisse aufzuschreiben – und Begbie herauskriegt, dass sein Erzfeind in der Stadt ist …

Eine der Unsitten des modernen Kinos und TVs ist, dass man aus finanziellem Kalkül alte Geschichten weitererzählt, die eigentlich schon zu Ende erzählt sind. Aber will man wirklich wissen, wo das „Alien“ herkommt? Wie es mit Special Agent Dale Cooper am Ende der zweiten Staffel von „Twin Peaks“ weitergeht? Und was die Junkies aus dem 90er-Kultfilm „Trainspotting“ 20 Jahre später machen? Danny Boyles Fortsetzung ist in dem Sinne etwas anders, weil sie auf einer Romanfortsetzung des „Trainspotting“-Autors Irvine Welsh beruht („Porno“ von 2002) und schon länger geplant war. Der Film zeigt alternde Antihelden in damals innovativer, nun aber längst etablierter bunt-gebrochener Bildsprache. Boyle besucht alte Schauplätze und Szenen, legt bekannte Musik („Lust for Life“) auf, und Mark lässt erneut eine desillusionierende Tirade über die desillusionierende Konsum- und Konformismusmoderne vom Stapel, nun inklusive Facebook, Twitter und Instagram.

Das ist nicht ohne Unterhaltungswert, aber wenn man sich an die Kraft und destruktive Energie des Originals in den nihilistischen und hedonistischen 90ern zurückerinnert, bleibt es doch ein (alters)schwacher Aufguss. Am Schluss zieht Mark wieder in sein Kinderzimmer und ist kein Stück vom Fleck gekommen. Jung ist man eben nur einmal. Alt dann den Rest der Zeit. Das wussten wir aber schon. vs

„T2 Trainspotting“ ist als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

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