Tartuffe: Thalia Theater, Hamburg

Tartuffe ist ein Emporkömmling. Ein falscher Prophet, der sich ins Haus des Bürgers Orgon einschleicht, dem erst sein Geld nimmt, dann die Tochter und schließlich versucht, seine Frau zu verführen. Und den man, hat man ihn erst einmal eingelassen, nicht mehr los wird …

Molières böse Satire „Tartuffe“ war nach der Uraufführung 1664 ein Skandal, verständlich: Das absolutistische Frankreich verstand recht gut, wer mit dem vampirhaften Titelhelden gemeint war, auch wenn es noch über 100 Jahre dauern sollte, bis das Bürgertum in der französischen Revolution gegen die Ausbeuter wehrte. Bis heute wird das Stück regelmäßig gespielt, sein Charakter als Warnung vor Leichtgläubigkeit und Heilsversprechen ist weiterhin gültig, und das handwerkliche Geschick des französischen Nationaldichters tut sein übriges, dass man hier kein Theater von Vorgestern zu sehen glaubt.

Zuletzt wurde „Tartuffe“ von Michael Thalheimer an der Berliner Schaubühne inszeniert und von der slowenischen Regisseurin Mateja Koleznik am Münchner Residenztheater. Das Thalia hat mit Stefan Pucher (Foto) einen in den vergangenen Jahren deutlich politisierten Poptheatermacher beauftragt, der hier zuletzt mit Becketts „Warten auf Godot“ eine beeindruckende Leistung zeigte.