Textwerkstatt: Wie werde ich Krimiautor?

Textwerkstatt: Wie werde ich Krimiautor?

Krimischriftsteller können sich jetzt für die Teilnahme an der „Polar Masterclass“ bewerben. Bei dieser Seminarreihe in Hamburg, Berlin und Frankfurt prüfen Krimiexperten Romanmanuskripte und feilen mit den Autoren an Plots, Aufbau, Figuren und Dialogen. kulturnews macht den Praxistest: Autor nh schickt eine Kurzbewerbung. Und rennt damit ins offene Messer …

Bewerbung von nh zur Teilnahme an der Seminarreihe

Kurzplot:

Die Kleinganoven Frank Schrader und Jürgen Wattner wollen während des G-20 Gipfels in Hamburg einen Laden überfallen, als Joko Widodo, der Staatspräsident Indonesiens, vor dem Hotel Reichshof aus Versehen statt in seine Staatskarosse in Franks Jaguar steigt. Da sie denken, es wäre Barack Obama, fahren sie mit ihm los, überwältigen ihn und wollen mit dem Lösegeld die ganz große Kohle machen. Doch auch Widodo kommt die Entführung nicht ganz ungelegen …

Textprobe:

Barack Obama tropfte Sabber auf die rote Krawatte, mit der wir seinen Kopf am Türgriff festgebunden hatten. Schon seit einer Stunde hatte er Jürgens Stinkesocke im Maul und trotzdem blitzte noch der Schalk aus seinen Schlitzaugen, als er den Kopf drehte und halb liegend vom Rücksitz zu mir raufsah. Seine Nase war mittlerweile böse dick geworden. Getrocknetes Blut verstopfte sein linkes Nasenloch. Hörte sich an, wie ne Luftpumpe. Die Griffel hatte er noch auf dem Rücken zusammengebunden. Jürgen hatte etwas übertrieben. Auch mit der Kabelbindernummer. Ich drehte mich um. Jürgen setzte gerade den Blinker und steuerte den Jaguar auf die Elbchaussee. Musste jetzt doch mal googeln: „Hotel Reichshof + G 20“. „Ey, Jürgen, das is ja garnicht der Obama!“ Ich zeigte aufs Display. „Guckma, Joko Widodo, Präsident Indonesien. Siehste?“ „Frank, Is doch latte! Hauptsache die machen Kohle für den Japsen locker. Jetz ersmal schön zu dir. In Rissen sucht den eh kein Schwein!“

Antwort der „Polar Masterclass“

Lieber nh,

vorab: Wir wenden uns nicht ausschließlich an Noir-Autoren, wie immer man sie auch definieren mag, sondern ganz allgemein an Autoren/innen, die inhaltlich und stilistisch überzeugende Kriminalromane in Arbeit haben bzw. planen.

Was aber überzeugt? An welchen Texten lohnt es unserer Meinung nach zu arbeiten?

Kurz: Wie ist die Auswahl der Teilnehmer?

Wir orientieren uns an an einem Exposé, hier also der Kurzplot, der grundsätzlich schon einmal zu kurz gegriffen ist, weil er nicht mehr als eine Idee beinhaltet. Die zudem in keiner Hinsicht überzeugt, da eine solche Ver­wechslung in einem solchen Rahmen völlig unrealistisch, ja, geradezu absurd ist. Und das Genre der Groteske (das der Krimi-Groteske) zu bedienen ist nicht unser Ziel.

Zu der Textprobe: „Sabber auf die rote Krawatte“, „blitzte der Schalk aus seinen Schlitzaugen“, „die Griffel … zusammengebunden“, „ist doch latte“ – durchweg klischeehafte und wertende Sprache, soll flapsig wirken, verstellt aber schon im Ansatz den Blick auf die Personen.

Wenn sich das über mehrere Textseiten hinzieht, lässt sich eigentlich nur sagen:

Mehr lesen, lesen, lesen, sich intensiver mit Sprache und Sprachbildern auseinandersetzen, eine eigene Sprache entwickeln, bzw, entdecken und es dann noch einmal mit einer Bewerbung versuchen.

Liebe Grüße, Frank Göhre

Infos und Kontakt: www.polar-masterclass.com

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