The Killing of a sacred Deer

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The Killing of a sacred Deer
Foto: Alamode Film

Eine Operation am offenen Herzen ist das erste Bild, und das pumpende Organ gibt den Takt vor: „The Killing of a sacred Deer“ drückt und drängt von der ersten Minute an. Nach dunklen Parabeln wie „Dogtooth“ und „The Lobster“ hat der griechische Filmemacher Yorgos Lanthimos ein sadistisches Planspiel um Kontrolle und Unterwerfung inszeniert – bürgerliche Rituale liegen unter dem Skalpell, und der Regisseur agiert selbst als Chirurg, der die Wunden, die er öffnet, aber nicht wieder verschließt. Die Kamera ist stets etwas erhöht positioniert, sodass man jeden Raum vollends überblicken kann und manchmal meint, in ein Puppenhaus zu schauen. Eine irritierende Setzung, die den Charakter einer Laborsituation unterstreicht. Das Leben der Vorzeigefamilie Murphy ändert sich von Grund auf, als sich Steven (Colin Farrell) mit dem 16-jährigen, aus prekären Verhältnissen stammenden Martin (Barry Keoghan) anfreundet. Was Steven nicht ahnt: Martin hat noch eine Rechnung mit ihm offen. Der Film paraphrasiert den griechischen Iphigenie-Mythos und liegt irgendwo zwischen der Irrationalität Luis Buñuels und den psychologischen Fallstudien eines Michael Haneke. Wenn bei Haneke allerdings von einer Vergletscherung der Gefühle die Rede ist, dann müsste man bei „The Killing of a sacred Deer“ von einer emotionalen Eiszeit sprechen. Es ist legitim, darin prätentiöses Misanthropenkino zu sehen, in seiner unangenehmen Konsequenz ist es aber auch ungemein faszinierend. sb

The Killing of a sacred Deer
Foto: Alamode Film