Toni Erdmann

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Toni Erdmann

Wie wäre es, einem eigentlich vertrauten Menschen noch einmal als Fremder begegnen zu können? Der Musiklehrer Winfried (Peter Simonischek) setzt dieses Gedankenspiel in die Realität um, als er seine Tochter Ines (Sandra Hüller) besucht, die in Bukarest an einer Karriere als Unternehmensberaterin arbeitet. Nach einigen halbherzigen Versuchen, ihren Vater in ihren straffen Alltag zu integrieren, tritt Winfried scheinbar den Heimweg an. Doch schon kurz darauf erscheint er wieder auf der Bildfläche – und stellt sich Ines mit falschen Zähnen und schiefer Perücke als Toni Erdmann vor …

Gleich dieses erste Zusammentreffen steht exemplarisch dafür, wie Regisseurin Maren Ade den Zuschauer fast drei Stunden lang zwischen verschiedenen Gefühlslagen pendeln lässt: ein unangenehmer, tragischer, zugleich absurd komischer Moment. Danach reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt: Ob Ines auf einer Party Whitney Houstons „The greatest Love of all“ schmettert oder der Film in einer spontanen Nacktparty kulminiert, jede Situation entsteht schlüssig aus den Figuren selbst heraus. Zudem hält Ade die Vergangenheit vage, verzichtet darauf, ihre Protagonisten Schlüsselerlebnisse von früher ausdiskutieren zu lassen. Der Konflikt vollzieht sich komplett im Jetzt.

Kaum eine Regisseurin erzählt derzeit so klug, wahrhaftig – und neuerdings auch lustig – von Menschen, ihren Beziehungen und den sozialen Räumen, in denen sie sich bewegen. Dafür gab nicht nur mehrfach Szenenapplaus der Premiere in Cannes, sondern kürzlich auch den Europäischen Filmpreis in sämtlichen Hauptkategorien – und auch an den Kinokassen erwies sich der Film als lukrativ. Ein deutscher Film, der sowohl künstlerisch als auch kommerziell ein Erfolg ist: Seit „Toni Erdmann“ endlich keine Unmöglichkeit mehr. sb

„Toni Erdmann“ ist als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

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