Zoë Beck: Die Lieferantin

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Zoë Beck: Die Lieferantin

Wenn die Welt verrückt spielt, spielt man entweder mit oder wählt die Flucht in eine andere Realität. Zoë Becks „Die Lieferantin“ zeigt ein London, wie es bald Wirklichkeit werden könnte: Nach dem Brexit bahnen sich Populismus und Fremdenhass ihre Wege. Die Regierung treibt das Verbot von Drogen voran und will Süchtige ins gesellschaftliche Abseits drängen. Überwachungskameras kontrollieren den öffentlichen Raum, und die erznationalen Rotweißblauen hetzen jeden, der nicht in ihr rassistisches Weltbild passt.

Ellie und Mo kotzt diese Realität an. Sie sind abgetaucht und kämpfen auf ihre Art gegen das System: Wer mit einer App bei ihnen Heroin im Darknet bestellt, bekommt es per Minidrohne zugestellt. So pissen sie nicht nur dem etablierten Drogenhandel ans Bein, sondern unterstützen mit ihren Einnahmen auch den politischen Widerstand. Die kleinen Brummerdrohnen nerven die alten Clans, und die Probleme häufen sich: ein Polizeispitzel fliegt auf, ein Schutzgeldeintreiber verschwindet, und die Anteile am Drogenmarkt brechen weg. Gangsterspross Declan Boyce wird auf die Spur der neuen Konkurrenz angesetzt, die es anscheinend auf Guerillakampf angelegt haben. Zoë Beck unterhält uns mit einem hochspannenden Mobster- und Politthriller auf höchstem Niveau und zeigt, dass man zum aktuellen Gesellschaftswahnsinn nicht mehr viel dazuerfinden muss.

Nils Heuner

Zoë Beck Die Lieferantin

Suhrkamp Verlag, 2017, 325 S., 14,95 Euro

Zoë Beck: Die Lieferantin