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LITERATUR | Thriller

Andrew Cartmel: Murder Swing

Wer vor dem Abspielen von Flachprofil-Pressungen den vertikalen Spurwinkel des Tonabnehmers justiert, kennt sich ganz offensichtlich mit Platten aus. So wie der namenlose Nerd in Andrew Cartmels vergnüglicher neuer Krimiserie, der vor raren LPs oder einem Thorens-TD-124-Player schon mal ehrfürchtig in die Knie geht. Er nennt sich Vinyl-Detektiv und ist besessen davon, für Sammler die seltensten Scheiben aufzutreiben. Eines Tages bietet ihm die geheimnisvolle Nevada Warren eine beträchtliche Summe Geld, um für einen anonymen Auftraggeber eine unbekannte Platte von einem kleinen kalifornischen Jazz-Label zu finden.

Der notorisch klamme Vinyl-Detektiv nimmt die schwierige Herausforderung an und wühlt sich mit Hingabe selbst durch die muffigsten Secondhandshops in London. Als er endlich die begehrte Scheibe in den Händen hält, ist die Geschichte aber noch längst nicht zu Ende, denn plötzlich häufen sich seltsame Todesfälle in seinem Bekanntenkreis. Ist ein seltsames Störgeräusch auf der Platte Schuld daran? Und was hat es mit den mysteriösen Buchstaben-Kombinationen in der Auslaufrille auf sich? Zusammen mit Nevada muss der Vinyl-Detektiv bis nach Japan und Los Angeles reisen, Mastertapes im Dörrautomat backen und einem Killerpärchen entkommen, um das Rätsel zu lösen. Andrew Cartmel pitcht seinen schnell drehenden Longplay-Mystery-Krimi mit liebenswertem Technik-Geschwurbel und einem skurrilen Protagonisten-Line-Up. Auch auf die Gefahr hin, gleich im ersten Band der Serie zu übersteuern, erzeugt Cartmel dabei knisternde Spannung, der man sich nicht entziehen kann. Der ehemalige Drehbuchautor von „Doctor Who“ weiß einfach zu genau, an welchen Reglern er drehen muss … nh

Andrew Cartmel Murder Swing

Suhrkamp, 2019, 526 S., 9,95 Euro

Aus d. Engl. v. Susanna Mende

 

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