Teamfoto Südwärts
Foto: Konrad Laukat

MUSIK | Festival

Ein Schritt Südwärts – auf dem Nachwuchsfestival in Wilhelmsburg

Auf dem Gelände des „Spielplatzes urbaner Selbstversorgung“, genannt Minitopia, herrscht reges Treiben. Im Rahmen des Stadtteilfestivals 48h Wilhelmsburg findet hier das Südwärts Festival statt. Ein Festival, das rund 20 jungen Menschen zwischen 14 und 18 Jahren die Möglichkeit bietet, unter Anleitung von Dozent*innen aus der Praxis, selbst ein Festivalkonzept zu erstellen und umzusetzen. Rund acht Stunden geht das Programm: auf zwei Bühnen finden hier Konzerte und DJ-Sets statt. Nebenher laufen verschiedene Workshops in der Kunstfabrik: Bodypercussion, Graffiti, Siebdrucke, Skulptieren, Töpfern und ein Kurzfilmprogramm.

Wohin man auch blickt, überall strahlen Menschen – sowohl die zahlreichen Besucher*innen als auch die Teammitglieder in ihren dunkelgrünen Südwärts-Shirts. Einer von ihnen, Ben, springt kurz auf die Bühne, um eine Ansage zu machen. Danach nimmt er sich einen Augenblick Zeit, um in der Kunstfabrik neben der Hauptbühne auf dem Kranplatz von seiner Arbeit auf dem Südwärts Festival zu erzählen. „Ich war vor meiner Mitarbeit am Daughterville letztes Jahr noch nie auf einem Festival“, sagt Ben – und muss ein bisschen lachen. „Ich bin durch meine Freund*innen, die sich auf dem Daughterville engagiert haben, hierher gekommen. Von alleine wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen.“

Lange Zeit fand das Daughterville Festival auf dem MS Dockville Gelände in Wilhelmsburg statt. Das Projekt war das Ergebnis des Programms „POP TO GO – Unterwegs im Leben“ des Bundesverbandes Pop e.V.: Konzipiert und umgesetzt wurde es von den lokalen Bündnispartnern Bürgerhaus Wilhelmsburg, Lüttville e.V., RockCity Hamburg e.V. und der Gesangsschule Singliebe. Die Projektagentur Kopf & Steine – unter anderem verantwortlich für das MS Dockville, seinen Ableger MS Artville sowie für den Vogelball und das Spektrum – hat das Daughterville als Projektpartner unterstützt.

Der Neuanfang als Südwärts Festival war vor allem eine Entscheidung für mehr Zugänglichkeit, sagt Ben: „Das Daughterville hat 15€ Eintritt gekostet. Für ein Festival ist das zwar günstig, aber für Schüler*innen sind 15€ schon viel Geld. Wir wollten das Festival umsonst veranstalten können, und als Daughterville schien das nicht möglich.“ Das Südwärts Festival finanziert sich über eine Crowdfunding Kampagne, deren Ziel am Vorabend des Festivals erreicht wurde.

Im Zuge der Emanzipation vom Dockville haben sich auch die Strukturen aufgelockert: „Wir hatten einfach viel mehr zu tun. Das Daughterville hat ja immer auf dem Gelände des Dockville stattgefunden“, sagt Ben „Wir mussten viel mehr für den Aufbau machen, zusätzlich zu dem, was es noch zu tun gab.“ Im Vergleich zum Vorjahr waren dadurch Aufgaben weniger fest verteilt: „Ich war letztes Jahr vor allem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Aber jetzt macht jeder ein bisschen alles.“

Trotzdem verzeichnet Ben das erste Südwärts Festival als vollen Erfolg: „Ich bin schon sehr stolz, aber vor allem glücklich. Glücklich zu sehen, wie das alles klappt, und ich freue mich jetzt auf den Rest des Tages.“ Denn Engagement auf dem Südwärts bedeutet freilich nicht nur Arbeit: Es bedeutet auch, die Früchte dieser Arbeit mit seinen Freund*innen genießen zu können. „Ich freue mich jetzt vor allem auf den Headliner, Shelter Boy. Und auf Jack Dalton & the Cactus Boys, die spielen gleich. Ich hoffe, dass wir noch alle vom Team für ein Konzert zusammenkriegen.“

Danach macht sich Ben wieder an die Arbeit. Er verschwindet im hinteren Teil der Kunstfabrik, von draußen klingt bereits das nächste Konzert an. Was für ein Erfolg das erste Südwärts Festival war, liegt greifbar in der Luft. Wer das dieses Jahr nicht miterlebt hat, sollte das nächstes Jahr dringend nachholen. Vor oder hinter den Kulissen.