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Hoffnungsfünkchen

Joey Goebel veröffentlicht mit „Irgend­wann wird es gut“ seinen ersten Erzählband

Nur wer leidet, erschafft große Kunst? Mittlerweile ist es fast 15 Jahre her, dass Joey Goebel dieses im Kern womöglich nicht ganz unzutreffende Klischee in seinem sowohl klugen als auch extrem lustigen Debütroman Vincent durchgespielt hat. Befürworter dieser Kausalität müssen sich Goebel als zutiefst unglücklichen Menschen vorstellen, denn der heute 39-jährige Autor aus Henderson in Kentucky hat seit „Vincent“ noch ein paar sehr gute Romane nachgelegt – auch wenn das Timing vielleicht nicht immer ganz gestimmt hat. Sein bisher wichtigstes Buch, das mehr als 700 Seiten starke Familienepos Heartland, erschien jedenfalls kurz nach dem Amtsantritt von Barack Obama im Jahr 2009 – während Goebel in dem Roman noch mit großer Detail­schärfe zeigt, was in den Köpfen vieler konservativer Provinzler im Landesinneren so vor sich geht. Zehn Jahre später erweist sich „Heart­land“ nun leider doch als Schlüsselroman, und als würde Goebel die Schuld dafür treffen, flankiert er ihn jetzt mit einem humorvollem Erzählband, dessen Titel zugleich Durchhalteparole ist: Irgend­wann wird es gut.

So wichtig Feine Sahne Fischfilet für Mecklen­burg-Vorpommern sind, so entscheidend ist auch, dass Goebel nach wie vor nicht nach L.A. oder New York abgewandert ist. Mit den zehn neuen Geschichten kehren wir zurück ins tiefste Kentucky: Sie alle spielen in einem Kaff namens Moberly, und all ihre Antihelden eint, dass sie sich hier deplatziert fühlen. Goebel begleitet sie auf ihrer Suche nach einem Sinn – oder wenigstens nach einem Menschen, der sie tröstend in den Arm nimmt. Beschönigt wird dabei nichts: Die titelgebende Geschichte heißt im Buch dementsprechend auch „Es wird alles schlecht werden“ und handelt von Paul Bockelman, der selbst nach einem Nervenzusammenbruch mit Anfang 40 nicht bei seiner Mutter auszieht. Alles geht erwartbar schief – und doch lässt Goebel stets ein Hoffnungsfünkchen aufglimmen. So auch in der vielleicht schönsten Story „Skanky Baby“, dessen 16-jähriger Pro­ta­gonist an die Punk­band­vergangenheit des Autors er­innert. Auch in der Nacht seines ersten Konzerts verliert der schüchterne Luke nicht seine Un­schuld. Doch womöglich weist ihm ausgerechnet das Ge­spräch mit einem grauhaarigen Polizisten den richtigen Weg dahin.

Joey Goebel, Irgendwann wird es gut
Diogenes, 2019, 304 S., 22 Euro
Aus d. Engl. v. Hans M. Herzog

27. Februar 2019