Silva

LITERATUR

Daniel Silva: Der Drahtzieher

Nagellackentferner und Wasserstoffperoxid – mehr brauchen sie nicht, um hochexplosiven Sprengstoff herzustellen. Wieder einmal rüsten dschihadistische Selbstmordkrieger zum Guerillakampf gegen Ungläubige und schlagen kaltblütig zu. Nur vier Monate nach einem verheerenden Bombenanschlag in Washington überfallen mit Sturmgewehren und Detonationswesten bewaffnete Kommandos gezielt Theater, Kinos und Restaurants im Londoner Westend und reißen mehrere hundert Opfer mit in den Tod. Hinter dem IS-Terror steckt der unberechenbare Stratege Saladin, der seit Jahren mit präzisen Attacken die westliche Welt in Schrecken hält und sich bislang jedem Zugriff entziehen konnte. Gabriel Allon, gerade erst zum Chef des israelischen Mossad befördert, will Saladin endlich ausschalten. Er organisiert eine Kooperation der amerikanischen, französischen und britischen Geheimdienste, um den Top-Terroristen aufzuspüren und zu liquidieren. Ein internationales Team unter Allons Führung verfolgt die spärlichen Spuren zu dem Lieferanten der Sturmgewehre des Angriffs nach Südfrankreich und entwickelt einen ausgeklügelten Plan. Saladin soll mithilfe eines Drogenhändlers und getarnter Agenten in die Falle gelockt werden. Doch als in der Zentrale der französischen Antiterrorgruppe eine Bombe explodiert, wird Allon selbst zum Getriebenen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Daniel Silvas Gabriel-Allon-Reihe ist nur auf den ersten Blick mit James-Bond-Abenteuern vergleichbar. Global agierende Terrororganisationen, ein legendärer Spion im Duell mit einem Oberschurken, modernste Waffen- und Computergimmicks, weltweite Handlungsschauplätze – klar, das findet sich in Silvas temporeichen Spionagethrillern genauso wie in Ian Flemings 007-Serie. Doch Silvas Bedrohungs- und Actionszenarien behalten trotz Einsatz hochgerüsteter Technologie stets Bodenhaftung zur Realität. Anders als Fleming überhöht er seine Agentenfigur nicht zum unkaputtbaren Superhelden, sondern zeigt vor dem Hintergrund aktueller Anschlagsgefahr den Kampf des Geheimagenten gegen globale Verwicklungen, die den Terror finanzieren. Dabei verheimlicht Silva nicht, dass auch staatliche Dienste vor Erpressung und Folter nicht zurückschrecken. Und zeigt, dass die Ohnmacht vor dem Terrorismus auch die besten Spione zu moralischen Verlierern werden lässt. Gäbe es einen realen Gabriel Allon – wir würden uns nicht besser fühlen. Aber vielleicht etwas sicherer: Am Ende siegen ja immer die Guten, oder?

Nils Heuner

Daniel Silva Der Drahtzieher. Ein Gabriel-Allon-Thriller

HarperCollins, 2018, 528 S., 16,99 Euro

Aus d. Engl. v. Wulf Bergner