FILM

Das kalte Herz

Nein, Johannes Naber mag den Kapitalismus wirklich nicht. In seinem Film „Der Albaner“ skizzierte der Wahlberliner den Weg eines illegalen Einwanderers ins Sklavensystem des Neoliberalismus, in „Zeit der Kannibalen“ liefen sich drei Unternehmensberater im Hamsterrad der Globalisierung zu Tode. Geld bringt Schlechtes in die Welt und löst Unglück aus, auch bei denen, die es haben. Sagt Naber. Er will mit seinen Filmen dazu beitragen, die Welt zu ändern. Uff. Da dreht einer am großen Rad. Aber Naber ist kein spaßbefreiter Weltverbesserer.

Nach einem Drama und einer Groteske hat er nun die Form des Märchens gewählt, um uns Konsumzombies darauf hinzuweisen, dass das Streben nach Reichtum und Ruhm uns die Seele gefriert. „Das kalte Herz“, so nannte Wilhelm Hauff in seiner bekannten Erzählung von 1828 die Folgen von zu großer Gier und Gewinnstreben. Der romantische Schriftsteller reflektierte darin den aufkommenden Industriekapitalismus, und wie die Menschen plötzlich vermehrt nach Anerkennung und Macht strebten. Naber hat Hauffs einfache Analogie Geld=Gefühlskälte mit Elementen moderner Fantasyfilme wie „Herr der Ringe“ und bunt-kitschigen Bildern aufpeppt.

Der Köhlerjunge Peter (Frederik Lau, „Victoria“) bittet einen Waldgeist um die Erfüllung dreier Wünsche, die ihm Respekt, Taler und einen anderen Beruf bringen. Nur so glaubt der bettelarme Bub das Herz der schönen Lisbeth (Henriette Confurius) erobern zu können, die dem Sohn des Holzhändlers versprochen ist. Peter bekommt seine Wünsche erfüllt – doch es reicht immer noch nicht, um Lisbeth von ihrem Vater freizukaufen. Also verpfändet Peter sein Herz dem Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu), der ihm dafür einen Stein einpflanzt. Von hinderlichen Dingen wie Zweifel, Empathie und Herzenswärme befreit, wird Peter zum vermögendsten Mann des Dorfes. Doch Lisbeth lieben kann er mit dem kalten Ding in seiner Brust nicht mehr …

Natürlich geht die Geschichte gut aus, es ist ja ein Märchen, und die Moral von der Geschicht bleibt schlicht wie bei Hauff: Geld macht nicht glücklich. Doch dem Kapitalismuskritiker Johannes Naber gelingt etwas anderes, etwas Naiv-Erfrischendes: Er zeigt den Kapitalismus als etwas, das überwunden werden kann – wenn man nur will. (vs)