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LITERATUR | Country-Noir

David Joy: Wo alle Lichter enden

In einem Familienbetrieb kann Sohnemann nicht einfach kündigen. Erst recht nicht, wenn Arschloch-Daddy einen florierenden Crystal-Meth-Handel aufgezogen hat. Der 18-jährige Jacob Neely hat nicht den Mumm, gegen seinen brutalen und versoffenen Vater Charlie aufzumucken. Keine Chance, ihm und diesem verfickten Scheißkaff in North Carolina zu entkommen. Die High-School hat Jacob längst abgebrochen, seine Freundin Maggie in den Wind geschossen. Eh alles sinnlos. Zuhause sieht’s aus wie bei Honka unterm Sofa, das Crystal hat Mama zum Zombie gemacht, und Papa Charlie hängt mit Aknenarbenface und versiffter Jogginghose in seiner Autowerkstatt rum. Hier wird nur zum Schein geschraubt – die Garage dient zur Geldwäsche und ist Anlaufstelle für die örtlichen Methheads. Die Cops sind geschmiert und sehen nicht so genau hin. Immer schön Ruhe im Karton. Wer trotzdem Stunk macht, landet samt Pick-up in der Talsperre und taucht nicht wieder auf. Fürs Grobe hat Charlie seine Werkstatt-Honks – und Jacob. Der soll jetzt mal Eier zeigen und Plappermaul Robbie abwatschen, weil der den Falschen vom Crystal-Biz gezwitschert hat. Die tumben Cabe-Brüder haben Robbie in der Scheune schon eingeheizt: Die beiden No Brainer sind immer etwas brutaler als nötig, und Jacob kann nicht verhindern, dass sie Robbie mit Schwefelsäure die Visage wegätzen und den Abhang runterklatschen. Doch nicht jeder ist so tot wie angenommen. Nicht jeder Cop sieht weg. Nicht alles läuft so, wie es Charlie in den Kram passt. Wieder müssen Pick-ups versenkt werden, und Jacob weiß, dass er zwar keine Chance hat, aber trotzdem jetzt handeln muss. Allein für Maggie. David Joys beinharter Country-Noir kommt mit der Wucht einer schnörkellosen Geraden, deren Schlag noch lange schmerzt. Ein eindrucksvolles Debüt. Eine Mahnung, die Hoffnung zu behalten – so lange, bis wirklich jemand das Licht am Ende des Tunnels ausknipst.nh

 

 

David Joy Wo alle Lichter enden

Polar Verlag, 2019, 300 S., 20 Euro

Aus d. Engl. v. Sven Koch

 

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