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Foto: Thomas Aurin

THEATER

Die Erfindung der Roten-Armee-Fraktion (…): Schaubühne, Berlin

Literaturkritiker hassen Frank Witzel schon seit einem Jahr, jetzt verdirbt es sich der Autor auch noch mit Theaterkritikern: „Die Erfindung der Roten-Armee-Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ Witzels 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Roman, hat solch einen umfangreichen Titel, dass schon der halbe Artikelplatz verbraucht ist, bevor man überhaupt geschrieben hat, um was es eigentlich geht.

Aber sei es drum, der umfangreiche Wälzer, der die Coming-of-Age-Geschichte eines 13-Jährigen in der hessischen Provinz zum Coming of Age der jungen Bundesrepublik weitet, schafft es, ein ganz großes Fass aufzumachen und trotzdem nicht in Stofffülle zu ertrinken, das ist erstens einen Buchpreis wert und zweitens eine Theaterfassung. Die stammt von Armin Petras und Maja Zade und kommt als Koproduktion von Schaubühne und dem Stammhaus des Stuttgarter Intendanten Petras zur Premiere.

Der ehemalige Gorki-Chef Petras verlegt seine Berliner Basis so nach „Der geteilte Himmel“ vorige Saison immer eindeutiger an den Lehniner Platz – wo die melancholische Ironie seiner Arbeit zwar wie ein Fremdkörper wirkt, aber tatsächlich ist Petras schon traditionell immer dann am besten, wenn er einen Fremdkörper darstellt.