Die Jungfrau und das Ungeheuer

KINO

Die Jungfrau und das Ungeheuer

Vor etwa drei Monaten verstarb Regisseur Juraj Herz, nicht nur einer der Mitbegründer der Tschechischen Neuen Welle, sondern auch ihr genreaffinster Vertreter. Seine Filmografie reicht von satirischen Faschismusparabeln („Der Leichenverbrenner“) bis hin zu surrealem Body-Horror („Der Autovampir“), vor allem aber schuf Herz einige Märchenadaptionen voll düsterem Prunk: „Das neunte Herz“ etwa, oder aber „Die Jungfrau und das Ungeheuer“, die erwachsenste und trotz des bekannteren Jean-Cocteau-Klassikers „Es war einmal“ womöglich beste Filmversion des französischen Volksmärchens – nicht nur wegen des verwunschenen Gothic-Ambientes, das Herz in gemäldeartig arrangierte Bilder fasst.

Die Liebesgeschichte zwischen dem Biest, hier in Gestalt eines Vogelwesens, und der Kaufmannstochter Julie, die in seinem Schloss gefangen gehalten wird, wurde oft verkitscht. Herz hingegen arbeitet ihren dunklen Kern heraus, indem er das Machtgefälle betont, macht die Annäherung aber zugleich nachvollziehbarer, weil er sie auch als Meditation über Einsamkeit anlegt. sb

„Die Jungfrau und das Ungeheuer“ ist als DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.