VolksbŸhne am Rosa-Luxemburg-Platz, BerlinCopyright (C) Thomas Aurin
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THEATER

Die Kabale der Scheinheiligen: Volksbühne, Berlin

Frank Castorf inszeniert auch mal wieder am eigenen Haus, wie schön! Und dann auch noch ein gleich mehrfach codiertes Stück Michail Bulgakows, dessen Bedeutung heute weitgehend offen ist! „Die Kabale der Scheinheiligen. Das Leben des Herrn Molière“ ist hochpolitischer Literaturschabernak: Molière spielt vor Ludwig XIV, wie ein subversiver Theaterkünstler vor einem absolutistischen Herrscher und Geldgeber spielt.

In Bulgakows 1936 uraufgeführtem Stück sind die Bezüge verhältnismäßig offensichtlich: Molière, das ist Bulgakow selbst, und Ludwig XIV ist Stalin. Aber was macht man 80 Jahre später da draus? Ist Molière Castorf? Oder ist Castorf Stalin? Was ist das Theater, was das Kulturestablishment? Und wie ordnet man das immer mehr zum Schwanengesang werdende Volksbühnen-Programm da ein, ein Jahr bevor die Ära Castorf am Rosa-Luxemburg-Platz zu Ende gehen wird und, so die Unkenrufer, die Geldgeber endgültig den Spielplan übernehmen?

Sicher jedenfalls: Mit „Der Meister und Margarita“ gelang Castorf schon 2002 mit einer Bulgakow-Inszenierung eine seiner besten Regiearbeiten.