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MUSIK

Die Nerven: Fake

Das kann Max Rieger unmöglich ernst meinen: „Bislang haben wir Musik gespielt, die für uns selbst funktioniert hat, aber jetzt wollten wir etwas machen, was nicht nur uns gefällt“, antwortet der Gitarrist und Sänger auf die Frage, was die Mittzwanziger beim mittlerweile vierten Nerven-Album anders gemacht haben – und verzieht dabei keine Miene. Doch weil Rieger nun auch nicht der Typ für kokettierendes Understatement ist, muss man ihn vielleicht noch mal an ein paar Tatsachen erinnern: Seit einigen Jahren liegen Die Nerven nicht nur in den Kritikercharts stets ganz weit vorn, sondern haben hierzulande eine regelrechte Postpunk-Bewegung losgetreten und konnten trotz deutscher Texte auch im Ausland beachtlichen Zuspruch einfahren. „Tatsächlich habe ich ziemlich oft von Leuten gehört, dass sie zwar finden, wir wären eine tolle Band, aber zu Hause würden sie sich uns niemals anhören“, legt Rieger nach – und plötzlich ergibt die Tiefstapelei schon mehr Sinn, wenn auch auf einem verdammt hohen Niveau: Für die beste Liveband des Landes schafft es selbst ein Meisterwerk wie zuletzt „Out“ nicht, auf Augenhöhe zu sein.

Natürlich hat Rieger Insiderwissen, gerade was den so großartigen Vorgänger angeht: „Damals sind wir mit einem Sammelsurium an unhörbarem Lärm ins Studio gegangen und haben es innerhalb von einer Woche irgendwie geschafft, dass am Ende Songs dabei rausgekommen sind“, erinnert er sich. Für „Fake“ haben sie jetzt nicht nur im Vorfeld an den Songs gefeilt und sogar Demoversionen erstellt, sondern auch eine aufwendige Postproduktion hingelegt. „Bei wirklich jedem Song gibt es mindestens 40 Spuren mit Gitarrenoverdubs, auch wenn das viele vielleicht gar nicht wahrnehmen werden“, sagt Rieger. Was man erstaunlicherweise aber wohl gerade wegen der vielen Friemelei hört: So nah sind Die Nerven ihrem Liveappeal nie zuvor gekommen. Auf „Fake“ vervollkommnen sie ihren vielseitigen Sound, für den das Postpunketikett nicht zuletzt wegen der Single „Niemals“ längst viel zu eng geworden ist. „Wir wollten einfach sehen, ob wir die Struktur eines Popsongs in eines unserer Stücke bekommen, ohne dass es zu stumpf wird“, sagt Schlagzeuger Kevin Kuhn und zuckt die Schultern. Vermutlich hat da auch die Tatsache nachgeholfen, dass sie ihr mobiles Studio diesmal nicht im Schwäbischen Wald aufgebaut haben, sondern mit Produzent Ralv Milberg in eine Ferienwohnung in der Toskana gefahren sind. „Für Urlaubsgefühle war keine Zeit“, wägt Bassist Julian Knoth ab. „Aber stimmt schon, ohne die Sonne als Gegenpol zu der brutalen Intensität der Aufnahmen hätte die Platte jetzt wohl kein orangefarbenes Cover.“

TOUR

19. 4. Wiesbaden

20. 4. Leipzig

21. 4. Berlin

22. 4. Hamburg

23. 4. Köln

27. 4. Schorndorf

28. 4. München