Winter

LITERATUR

Douglas E. Winter: Run – Sein letzter Deal

Die eine bellt, die andere brüllt, manche britzeln, einige klingen wie eine strullende Katze: Jede abgefeuerte Waffe erzeugt einen charakteristischen Sound. Burdon Lane kennt sich da aus, weiß alles über Glock 19, Beretta 80 oder MAC-10 und (gun)mansplaint gerne über Kaliber, Kolben oder Kugelläufe. Lane ist der Mann, wenn man in Harlem diskret ’ne Knarre braucht. Egal wofür – dieser Anzugtyp mit Waffenfetisch, der seinen eigenen amerikanischen Traum lebt, und glaubt, dass Gewalt Probleme löse, liefert. Zusammen mit seinem Partner Renny Two Hand steht er nicht auf Verarsche – zumindest dann, wenn er sie nicht selbst begeht. Als ein Deal mit einer afroamerikanischer Straßengang platzt, ein Bürgerrechtler sich dabei ’ne Blaue Bohne fängt und ihn die Cops etwas zu sehr ins Visier nehmen, weiß Lane, dass er für einen ganz miesen Plan benutzt wird. Und Lane hasst es, wenn andere Pläne für ihn machen …

Douglas E. Winters temporeiches Thrillerdebüt ist ein elegantes Bleikugel-Ballett, bei dem Projektile durch die Luft pirouetten und heißgeschossene Patronenhülsen über den Boden tänzeln. Selbst wenn es mal rustikaler wird, verkommt auch die fiese Schraubenzieher-ins-Ohr-Nummer nicht zur reinen Gewaltwichse. Die fein choreografierten Actionszenen geben dem clever aufmunitionierten Plot an den richtigen Momenten einen entscheidenen Drall, und wie beim russischen Roulette weiß man nicht, wann der nächste Knall droht. Wer sich auf den lakonischen Tonfall einschießt und den ausgebufften Waffenspezi Burdon Lane schon als neuen Serienheld durchladen sieht, sei jedoch gewarnt: Statt auf Dauerfeuer zu stellen, hat sich Douglas E. Winter für einen Stand-Alone entschieden, und damit schon vor 18 Jahren sein politisches Statement auf die durch Waffen und Gewalt korrumpierte Gesellschaft in den USA abgeschossen. Bei uns zündet es als Übersetzung leider erst jetzt. Wrrrooooam! nh

Douglas E. Winter Run – Sein Letzter Deal

Luzifer Verlag, 2018, 350 S., 13,95 Euro

Aus d. Engl. v. Peter Mehler