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Foto: Birgit Hupfeld

THEATER

Drei Tage auf dem Land: Schauspielhaus, Frankfurt

Irgendwie geht alles immer schneller. In Iwan Turgenjews 1872 uraufgeführter Komödie „Ein Monat auf dem Lande“ brauchte es noch 31 Tage, bis eine Familie in Langeweile, Weltüberdruss und Eifersucht implodierte, Patrick Marbers Neuauflage des Themas benötigt für diese fatale Entwicklung gerade mal drei Tage.

Auf einem Gutshof wird ein Student als Lehrer für den zehnjährigen Alexej eingestellt; dieser bringt insbesondere das Gefühlsleben der anwesenden Frauen gehörig durcheinander: „Drei Tage lang erfahren Jung und Alt die Liebe neu: die ungesagte Liebe und die Liebe, die ausgesprochen werden muss.“ Liebe und Begehren als unvorhergesehener Einbruch in einen wohligen Dämmerzustand – das hat sowohl poetische wie subversive Kraft.

Die deutschsprachige Erstaufführung am Schauspiel Frankfurt inszeniert Andreas Kriegenburg, eigentlich ein Mann für großes Klassiker-Pathos (mit dem er zuletzt am Münchner Residenztheater Shakespeares „Macbeth“ in die Zeitgenossenschaft prügelte), der allerdings in Frankfurt zuletzt mit Tschechows „Möwe“ ein „zauberhaft-poetisches“ Traum-Russland konstruierte. Was Kriegenburg prädestiniert für diesen so sehnsüchtigen wie abgründigen Marber-Turgenjew.