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Capelight Pictures

FILM

Ein Fremder ohne Namen

Dass Clint Eastwood ein konservativer Hardliner ist, das spiegelte sich schon in früheren Werken wider, so auch diesem. Trotzdem bringt seine dritte Regiearbeit „Ein Fremder ohne Namen“ die Ambivalenz von Western-Archetypen auf den Punkt: Der Schauspieler stilisiert sich selbst zur fast übermenschlichen Version der einsamen Rächerfigur – doch der namenlose Fremde, der in die entlegene Wüstenstadt Lago einreitet und von den Bewohnern als Beschützer engagiert wird, ist mitnichten ein Held, sondern ein mordlüsternes und misogynes Scheusal.

Eastwood hat ganz genau hingeschaut bei seinen Lehrmeistern Sergio Leone und Don Siegel, von denen er sich aber gleichzeitig emanzipiert: Wenn der Fremde die Anweisung gibt, die gesamte Stadt rot anzustreichen, dann ist das ein unvergesslich surrealer Anblick; und wenn das Ortsschild schließlich in Großbuchstaben mit dem Wort „Hölle“ übermalt wird, dann ist das wörtlich zu verstehen. „Ein Fremder ohne Namen“ ist auch ein Horrorfilm, mit Eastwood als bösem Geist des Western-Mythos. sb

„Ein Fremder ohne Namen“ ist ab 19. 1. als limitiertes Blu-ray-Mediabook (inkl. DVD) im Handel erhältlich.