Berliner Ensemble
Foto: Moritz Haase

THEATER | Berliner Ensemble

Eine griechische Trilogie: Berliner Ensemble

Jetzt ist Simon Stone also auch in Berlin angekommen. Das australisch-schweizerische Regie-Wunderkind, das mit sehr heutigen Ibsen-Exegesen in Basel und Wien berühmt wurde, in München und Hamburg krachend scheiterte und leichthändig mit „The Daughter“ noch eine schöne, auf ein großes Publikum zielende Kinoaktualisierung von Ibsens „Wildente“ zwischenschob. Im Berliner Ensemble ignoriert Stone seinen norwegischen Leib-und-Magen-Dramatiker und konzentriert sich auf Aristophanes und Euripides. Die Trilogie besteht aus einer Sexkomödie („Lysistrata“) und aus zwei kriegerischen Tragödien („Die Troierinnen“ und „Die Backchen“), also aus dem Versuch, das klassische Altertum als eine große Erzählung zu interpretieren. Besonders originell ist dieser Versuch nicht, auch Karin Beier arbeitete ähnlich in „Die Rasenden“, ihrem Debüt als Intendantin des Hamburger Schauspielhauses, ebenso wie Karin Henkel mit dem Theatertreffen-geadelten „Beute Frauen Krieg“ vom Züricher Schauspiel. Und doch stellt Stone drängende Fragen, die sich nicht zuletzt aus seiner Beschäftigung mit dem antiken Mythos aus feministischer Sicht ergeben: „Wenn wir vor zweieinhalb Jahrtausenden im antiken Theater so komplexe, autonome und befreite Frauenfiguren schaffen konnten, was ist dann zwischenzeitlich schiefgelaufen?

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