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Foto: © Daniel Cramer

THEATER

„Eines langen Tages Reise in die Nacht“: Deutsches Schauspielhaus, Hamburg

Alkohol, Drogen, familiäre Gewalt, Krankheit: Eugene O’Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ ist ganz großes US-amerikanisches Depressionstheater als Vorläufer der Kaputte-Familien-Dramen Tennessee Williams’ und Arthur Millers.

1996 inszenierte Karin Henkel den Stoff schon einmal in Bochum, 20 Jahre später blickt eine der erfolgreichsten Regisseurinnen ihrer Generation noch einmal auf O’Neills Künstlertragödie, älter, abgeklärter: „Menschen, die versuchen, der Verantwortung ihres Lebens zu entfliehen, und so zu Gefangenen ihrer eigenen Hölle werden“ erzählen hier „vom Scheitern der Liebe, von Verfehlung, von Täuschung, Verblendung und Scham“ – und auch von der Kunst, ist die dysfunktionale Familie des Stücks doch eine Theaterfamilie, die O’Neill nach autobiografischen Erfahrungen gestaltete.

Neben den Ensemble-Aktivposten Lina Backmann, Charly Hübner und Christoph Luser fällt auf, dass in „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ ein Schauspieler besetzt ist, der lange Jahre am benachbarten Thalia engagiert war und dem Haus am Alstertor eigentlich auch heute noch verbunden ist: Felix Knopp, begnadeter Wandler zwischen proletarischer Körperlichkeit und verinnerlichter Sensibilität.