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LITERATUR | Roman

Elif Shafak: Unerhörte Stimmen

Gleich vorneweg: Elif Shafak lebt seit dem gescheiterten Putschversuch nicht mehr in Istanbul, ihr inzwischen einziger Wohnsitz ist London. Das ist auch nötig, war doch die Schriftstellerin – Tochter einer Diplomatin und eines Soziologen – wegen ihres Romans „Der Bastard von Istanbul“ 2006 verklagt und vom Gericht freigesprochen worden. Dass das Gericht heute anderes urteilen würde: davon muss man ausgehen. Jetzt hat Shafak mit „Unerhörte Stimmen“ ein Meisterwerk der Rückblenden geschaffen, das unerhört brutale Momente in wunderschöner Sprache erzählt und dabei vor allem eines sichert: die Würde der Opfer. Die Hure Leila steckt ermordet in einer Mülltonne, ihr absterbendes Gehirn aber kreiert Erinnerungsflashs ohne Ende, die den Roman ausmachen. Im Zentrum: ihre fünf Freunde – Sabotage Sinan, Nostalgie Nalan, Jamila, Zaynab122 und Hollywood Humeyra. „Unerhörte Stimmen“ liefert die Stimmen der unterdrückten Minderheiten in der Türkei, die Stimmen von Transsexuellen, Huren, Kleinwüchsigen, und stellt sie voller Selbstbewusstsein gegen die Mehrheitsgesellschaft. jw

 

 

Elif Shafak Unerhörte Stimmen

Kein & Aber, 2019, 432 S., 24 Euro

Aus d. Engl. v. Michaela Grabinger

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