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Widows – Tödliche WitwenFoto: 20th Century Fox

FILM | Kinostart: 6. 12.

Widows – Tödliche Witwen

Sie kennen sich nicht und haben nichts gemeinsam, außer dem gemeinsamen Schicksal und einer gemeinsamen Schuld: Veronica (Viola Davis), Alice (Elizabeth Debicki) und Linda (Michelle Rodriguez) verloren ihre Ehemänner – Räuber, die bei einem schiefgelaufenen Überfall in den Flammen starben. Als Veronica, eigentlich im Schulwesen tätig, von anderen Gangstern wegen des verbrannten Geldes mit dem Tode bedroht wird, beschließt sie, den letzten offenen Coup ihres Mannes umzusetzen, zusammen mit ihren verwitweten und mittellosen Schicksalgenossinnen und der Niedriglöhnerin Belle (Cynthia Erivo) …

Regisseur Steve McQueen, Oscar-prämiert für „12 Years a Slave“, hat aus einer britischen Minsierie aus den 80ern einen fiebrigen Krimi gemacht. Mit seinen drei weiblichen Hauptfiguren, die sich gegen männliche Drangsalierung zur Wehr setzen, ist „Widows“ auf der Höhe der #MeToo-Zeit: „Weil niemand glaubt, dass wir die Eier haben, um die Sache durchziehen“, begründet Veronica den großen Vorteil des Trios für die kriminelle Tat – und wie die das sagt, so überzeugt, so fest, so fast greifbar hart, so könnte es auch bei einem Treffen von Harvey-Weinstein-Opfern gesagt worden sein. Damit nicht genug: McQueen, in dessen Filmen es immer um aus Schmerz geborene Handlung geht, erzählt auch von Armut, Rassimus und Polizeigewalt gegen Schwarze; von Gewalt, die Männer ihren Frauen und die Frauen anderen Frauen antun; von Gangstern, die als Politiker und von Politikern, die als Gangster mehr Macht erlangen wollen.

Nicht fesselnd, sonden befreiend

Doch in erster Linie handelt „Widows“ von drei Frauen, die in einem Akt der Selbstermächtigung die Ketten des Patriarchats und des Chauvinismus sprengen; Frauen, die nicht mehr nur untätig zusehen, sondern etwas unternehmen wollen. Und McQueen sowie seine Drehbuchautorin Gilian Flynn, Autorin des Bestsellers „Gone Girl“, machen nicht den Fehler anderer Hollywoodfilme wie „Oceans 8“, die einfach Frauen in Männerrollen besezen und dann meinen, das sei Gleichberechtigung. McQueens Frauen dagegen sind genuin weiblich, mit allen Schwächen und Stärken, jenseits aller etablierter Fillmklischees. Dadurch erst besitzt ihre Verwandlung und Entwicklung von passiven Wesen zu aktiven Personen eine vibrierende Brisanz und Originalität. In dem Sinne: ein Thriller, der eben gerade nicht fesselnd ist – sondern befreiend. vs

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