Hilary Woods: Colt [PLATTENCHAT]

Jede Woche stellen wir hier eine spannende Neuerscheinung zur Debatte. Es diskutieren Verena Reygers, Carsten Schrader und Mitja Steffens von der kulturnews. Und als Gast: Kinofan Jörn Christiansen, der für die Filmvermarktung der Magazine kulturnews und kulturmovies voll auf die Werbetrommel haut, aber auch Drummer der Hamburger Band Marfa ist, die im Sommer ihr zweites Album „Ben Nevis“ veröffentlichen.

Jörn: In der „Roadhouse“-Bar in Twin Peaks verzauberte David Lynchs Muse Julee Cruise regelmäßig harte Biker mit ihrem dahingehauchten Gesang und Angelo Badalamentis rätselhaften Keyboard-Klängen. Hillary Woods stören Vergleiche mit Cruise nicht, scheint auch sie diesem seltsamen Ort entsprungen zu sein. In „Black Rainbow“ baut sie sogar das legendäre „DamDam“ aus „Falling“ ein. Ich höre schon die Douglastannen rauschen.

Verena: Yep, an Lynchs „Twin Peaks“ musste ich auch direkt denken, allerdings kann Woods mehr als nur dahingehaucht singen. Dafür steckt zu viel Melodramatik in den Songs der Irin. Erstaunlich, wie ihr meditativ-monotoner Pop auf fünf Minuten Songlänge funktioniert. Höre die frühe Sharon Van Etten raus, aber auch nordische Kolleginnen wie Nina Kinert und natürlich Kate Bush.

Carsten: Stimme in den Chor der Begeisterten ein. Aber auch wenn ich mich demnächst wirklich mal intensiver über die Transzendentale Meditation à la Lynch informieren möchte – auf Albumlänge ist mir Hilary Woods dann doch ein bisschen zu eintönig.

Mitja: Ha, eigentlich langweile ich mich doch sonst immer am schnellsten. Aber bei Woods’ Verschmelzung von Akustik und Elektronik bin ich einfach nur entspannt.